Körper – Los Superdemokraticos http://superdemokraticos.com Mon, 03 Sep 2018 09:57:01 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=4.9.8 Es geht mir gut im Jahr 2025! http://superdemokraticos.com/themen/koerper/es-geht-mir-gut-im-jahr-2025/ http://superdemokraticos.com/themen/koerper/es-geht-mir-gut-im-jahr-2025/#comments Tue, 17 Aug 2010 12:27:14 +0000 http://superdemokraticos.com/?p=915 Vor fünf Monaten habe ich das Rauchen endgültig aufgegeben. Freilich, viel geraucht habe ich auch in den Jahren zuvor nicht mehr, hier und da vielleicht eine Zigarette im Keller oder auf einer einsamen Bank am Meer. Irgendwann wurde mir aber auch das zu blöd: Eine Bank mit Meer ist auch ohne Kippe schön, dachte ich. Und ein Keller bleibt auch mit ihr trostlos!

Mein Leben hat sich seither grundlegend gewandelt. Ich erwache um sechs Uhr in der Früh, ziehe mir meinen Leichtmetalljogginganzug über, fahre mit dem Rad die 20 Kilometer ins Freibad. Dort bin ich immer der erste. Ganz alleine treibe ich mittig einen Keil in das tiefblaue Becken. Zwei Stunden später, nach zehn Kilometern Lagen, entsteige ich selbigem wie ein Neugeborenes dem Mutterschoß, doch ungleich dem Neugeborenen dusche ich nicht lauwarm, sondern eiskalt. Danach mache ich mich im Dauerlauf auf den Weg nach Hause. Das Fahrrad werde ich am nächsten Tag bei einer reziproken Runde abholen.

Zuhause angekommen dusche ich noch einmal kalt, ehe ich zwei Kilogramm Bircher-Müsli esse. Um vier Uhr nachmittags mache ich einen ausgedehnten Spaziergang durch ein nahe gelegenes Wisentgehege. Danach verwende ich viel Zeit und Liebe auf die Zubereitung eines vegetarischen Fleischsalats. Zum Essen kommen Freunde aus der freikirchlichen Gemeinde. Wir trinken ein alkoholfreies, isotonisches und vitaminreiches Weizenbiergetränk und unterhalten uns intensiv und gut. Es geht um Menschlichkeit und die fortdauernde Krise der Sozialdemokratie. Um neun Uhr bitte ich die Freunde, mich jetzt alleine zu lassen. Nachdem ich mich von oben bis unten mit einer rückfettenden Nachtcreme eingerieben habe, gehe ich ins Bett, wo ich noch zwei Kapitel in den Memoiren von Günther Jauch lese. Um 22.30 Uhr lösche ich das Licht.

So erledige ich meine Biographie und ich kann nicht sagen, dass es mir schaden würde. Ich bin außerdem jetzt Teil eines Zeitzeugennetzwerks, das Kinder in Schulen besucht und sie vor den Gefahren des Rauchens warnt. Von der Nichtraucherinitiative Deutschland habe ich eine Kladde mit Overhead-Folien bekommen, auf denen verfaulte Beine, fehlende Kehlköpfe, weiße und schwarze Lunge zu sehen sind. Irritierend sind immer wieder einige Zwischenrufe, denen zufolge die weiße Lunge „mindestens so eklig“ aussehe wie die schwarze. Das überhöre ich einfach.

Was ich nicht überhören kann (obwohl ich es gerne würde), das sind die Stimmen der „Freunde“ von früher. „Langweilig“ sei ich geworden, sagen sie, wenn sie – „auf eine Zigarette“, wie sie sagen – vor meiner Tür stehen. Mir fehle der „schwebende“ Blick des überlegenen Beobachters, und nicht zuletzt die Fähigkeit, Dinge zu „verknüpfen“, die eigentlich nicht zusammen gehörten. Ich verstehe diese Menschen ebenso wenig, wie ich sie zu mir herein bitte. Ich schließe die Tür und begebe mich zurück in den Salon, wo ich – auf einer Isomatte liegend – mein Powerhouse trainiere.

Manchmal, wenn ich dabei einschlafe, träume ich recht wild – einen immer wiederkehrenden Traum. Er handelt von einem Land lange vor unserer Zeit, in dem Männer und Frauen in verrauchten Eckkneipen sitzen und mit Bier, West und Wodka-Shootern der Kunst des Sich-langsam-Zugrunderichtens nachgehen konnten. In lauen Sommernächten lärmten Mädchen und Jungen durch Fachwerkgassen, eine grüne Glasflasche in der einen, eine Zigarette in der anderen Hand. „Fußpils und Kippe, eins an jeder Hand, dafür allein schon lieb‘ ich dieses Land“, ruft einer von ihnen aus der Traumwelt zu mir herüber. Ich schaue in sein Gesicht – und erkenne mich selbst.

Schweißgebadet wache ich dann jedes Mal auf. Mein erster Gedanke: Hoffentlich habe ich nicht zu laut gesprochen. Einmal schon stand die Nachbarin von unten vor der Tür, Lehrerin, allein erziehend, zwei Kinder: „Ich habe geträumt“, stammelte ich in ihr zornrotes Gesicht. Selbstverständlich dürfe ich träumen, was ich wolle, sagte sie darauf, mühsam beherrscht. Aber im Interesse ihrer Kinder müsse sie darauf Wert legen, dass nicht in deren Hörweite zum Bombenkrieg „oder Ähnlichem“ aufgerufen werde. Ich entschuldigte mich vielfach und bot ihr ein alkoholfreies, isotonisches und vitaminreiches Weizenbiergetränk an. Sie lehnte ab.

Nun, da ich schon seit mehreren Monaten nicht mehr im Schlaf nach Zigaretten gerufen habe, begleitet diese Nachbarin meine Fortschritte mit wachsendem Wohlwollen. Manchmal treffen wir uns morgens im Freibad. Dann dritteln wir das Becken mit zwei äquidistanten Keilen. Einmal, auf der Radfahrt nach Hause, erzählte ich ihr meinen Lieblings-Raucherwitz „Mitten im Krieg sitzt ein Raucher nachts im Schützengraben und raucht eine Zigarette – weithin sichtbar für den Feind. Ein anderer Soldat warnt ihn: ‘Tu das bloß nicht, das ist gefährlich.’ Der Raucher lächelt milde und antwortet: ‘Keine Sorge, ich inhaliere ja nicht.’“ Sie konnte darüber nicht lachen. Sonst verstehen wir uns aber sehr gut.

]]>
http://superdemokraticos.com/themen/koerper/es-geht-mir-gut-im-jahr-2025/feed/ 1
Schmücke deine sterbende Hülle http://superdemokraticos.com/editorial/schmucke-deine-sterbende-hulle/ http://superdemokraticos.com/editorial/schmucke-deine-sterbende-hulle/#comments Sun, 15 Aug 2010 14:57:46 +0000 http://superdemokraticos.com/?p=876

Fühlen, Denken: Zeichnung von René Descartes (Wikicommons).

Neulich saß ich in einem Straßencafé und neben mir unterhielten sich vier Mädchen, Mitte 20, über Männer und Tattoos. Die eine hatte gerade einen Typen kennengelernt, der ein Zeichen auf der rechten Brust trug. „Da“, rief sie, und schlug mit der flachen Hand auf ihre Brust, „das ist der beste Platz für ein Tattoo!“ „Ja“, riefen die anderen, „das ist der beste Platz.“ Ich hatte bisher nicht viel über Tattoos nachgedacht. Vor zehn Jahren wünschte ich mir einen schwarzen Stern. Aber dann lernte ich einen Mann kennen, der exakt dieses Zeichen aus meinem Traum auf dem Oberarm trug und ich verliebte mich. In den Mann oder in das Tattoo? In den Körper oder in den Geist, der sich das ausgedacht hat? Und war das überhaupt zu trennen?

Wir leben in einer Welt, die einerseits sehr körperzentriert ist (Ziellinie: bester Sex, schönster Körper, nackteste Werbung, dickster Schwanz, tollster Hintern), andererseits sehr körperlos funktioniert (Alltagsszene: Singles, die frühstücken, während sie ihre Mails checken, das Epaper lesen, sich per SMS auf einen Kaffee verabreden). Wann sind wir Geist, wann Körper? Ist der Körper das Du, mit dem ich mich auseinandersetzen muss, weil ich mit ihm zwangsverheiratet wurde? Kann ich ihn nur im Tod annehmen und verlassen (Lizabel Mónica) – oder auch im Gedicht, in der Kunst? Sind wir simple „Wegwerfkörper“ (María Medrano), oder kann sich unser Gesicht recyclen? Welche Daseinsform, welcher Außerirdische bin ich, wenn ICH über MICH nachdenke, MICH fühle? Bin ich im Körper mit allen seinen Schwächen, Schmerzen, Leiden und Hässlichkeiten (Fernando Barrientos, Luis Felipe Fabre) gefangen, oder kann mein Geist der Trainer meiner physischen Existenz werden und damit über die sterbliche Hülle Unabhängigkeit erlangen (Leo Felipe Campos)? Die Frage nach dem Dualismus von Körper und Geist zieht sich durch viele der superdemokratischen Texte, ebenso der Wunsch, Gefühlen nachzugeben, dem Begehren, der Einsamkeit. Zwei deutsche Autorinnen, Claudia Rusch und Emma Braslavsky, konzentrierten sich interessanterweise stärker auf die Machtbeziehungen der Körper im gesellschaftlichen Kontext, auf Männerfreundschaft und Frauenselbstständigkeit – etwas, das Lizabel Monica in einem Kommentar „ungleiche kulturelle Feminisierung“ („dispareja feminization cultural“) nannte: Der Mann schwächelt und gibt nach, aber anders, denn er übernimmt keine kulturelle Verantwortung. Wer kolonisiert wen?

Tattoos haben, ebenso wie die verstaubten Geschlechterrollen, ihre Kontexte verlassen (Gefängnis, Seefahrt, Ritual, Glauben), sie sind Teil einer Individualkultur geworden. Sie schreiben in einer eigenen Grammatik auf die ungeschützte Haut. Heute müssen wir nicht mehr vom Baum der Erkenntnis essen, um zu erkennen, dass wir nackt sind. Wir verehren den Apfel jeden Tag. Vielleicht ist Sprache, sind Worte, verpackt oder nicht in digitale Kicks, der Kitt dieser unserer zerbrechlichen Einheit von Innen und Außen. Das ist die Schönheit der Gedanken! Wir hängen immer an diesem Faden unserers Bewusstseins, sind Seelen-Wesen mit Nervenbündeln, ob wir wollen oder nicht. Die Sprache strukturiert unser sinnliches und geistiges Erleben, mit ihr greifen wir in unsere Umgebung ein und stellen uns anderen Körpern, anderen Bürgern. Das ist unser drittes Thema, es beginnt nächste Woche.

]]>
http://superdemokraticos.com/editorial/schmucke-deine-sterbende-hulle/feed/ 3
Wegwerfkörper http://superdemokraticos.com/themen/koerper/espanol-descartables/ http://superdemokraticos.com/themen/koerper/espanol-descartables/#comments Fri, 13 Aug 2010 14:25:56 +0000 http://superdemokraticos.com/?p=784 Über die neueste Installation des argentinischen Künstlers Diego Bianchi

Für die Installation „Ejercicios espirituales“ (Spirituelle Übungen) verteilt Bianchi Körperteile, Rümpfe, Extremitäten, unvollständige und versengte Körper, mit Zement bespritzt, Köpfe, Haarknäuel auf dem Boden, an der Decke und an verschiedenen Stellen im Raum, der eher einer Folterkammer als einer Kunsthalle gleicht.

In früheren Werken arbeitete Bianchi (den ich für einen der interessantesten zeitgenössischen Künstler Argentiniens halte) mit Objekten, sammelte Wegwerf- oder weggeworfenes Material, praktisch Müll, um seine Installationen herzustellen.

„Mehrere Tage lang sammelte ich auf der Straße Sachen zusammen: Schachteln, Tüten, Kunststoff, Papier, Möbel, kaputte Stühle, Lichtröhren usw. Ich durchsuchte Kästen mit alten Accessoires, ergatterte Stoffe, Rohre, kaputte Gläser, Holzstücke, Schläuche, Kabel, Schnüre. Ich nahm Styropor, Äste, Pflanzen, Flyer, Dokumente, überfällige Rechnungen, Fotos, Kassetten, Disketten, Zeitschriften, Laken, T-Shirts mit. Ich benutzte alle Kissen im Raum, Gartenstühle, zwei Gemälde von Fernanda Laguna, Türen, Plastikstühle, das Telefon, den Tisch, die Treppe und die Bänke… Als schließlich alles da war, begann ich, mich mit all dem um die Säule zu bewegen, ich fing an, alle Dinge zu vermischen, sie zu verdrehen, sie festzubinden, sie umeinander zu wickeln…“ (Diego Bianchi über die Installation „Daño“ (Schaden) in der Galerie Belleza y Felicidad (Schönheit und Glück)).

In dieser Installation sind es nicht Objekte, die foltern und verbiegen, sondern Körper oder Körper-Objekte. Es erschien mir äußerst machtvoll, wie diese gefolterten, Körper genannten Objekte manipuliert werden, ihnen Gewalt angetan wird und wie sich ihnen die Macht anderer Körper aufzwingt. In diesem Übergang von Dingen zum Körper und von der Installation zur Skulptur, werden diese Körper jetzt gemeißelt, geformt und diese Objekte sind Körper… auch sie zum Wegwerfen.

Weil diese Körper, wie Fabre in seinem Artikel sagte, unter einer Diktatur der Mode und unter einer Diktatur der Kommunikation stehen, machen sie uns glauben, wir seien frei, wir wählten… während eigentlich alles manipuliert ist. Insofern ist es richtig, weiterhin von der „Gefügigkeit“ der Körper zu sprechen.

Und diese Gefügigkeit des Materials, das – so Bianchi – wie die Körper unterworfen, benutzt, transformiert und perfektioniert werden kann, spricht vom permanenten Zwang, der vielmehr über die Vorgänge der Aktivität als über die Ergebnisse wacht.

Diese disziplinierende und kontrollierende Macht, von der Foucault sprach, verstärkt in dieser globalisierten Zeit die schweigende Strafe, die darauf abzielt, gezähmte, verwertbare und Wegwerfkörper zu produzieren.

Übersetzung: Marcela Knapp

]]>
http://superdemokraticos.com/themen/koerper/espanol-descartables/feed/ 1
Körperstücke http://superdemokraticos.com/themen/koerper/espanol-pedazos-de-cuerpo/ http://superdemokraticos.com/themen/koerper/espanol-pedazos-de-cuerpo/#comments Fri, 13 Aug 2010 08:02:21 +0000 http://superdemokraticos.com/espanol-pedazos-de-cuerpo/ Ich verstehe meinen Körper nicht immer. In meiner Jugend habe ich den traumatischen Veränderungen, die meinen Körper – ohne Vorankündigung und ohne mein Einverständnis – in ein mysteriöses Wesen verwandelten, welches ich nicht zu kontrollieren vermochte, fast meine ganze Aufmerksamkeit geschenkt. Es geschahen auch andere, nicht sichtbare Veränderungen, aber diese beachtete ich kaum. Dann erwachte in mir eines Tages nach so viel Terror die Hoffnung, dass die Veränderungen irgendwann aufhören würden und mein dünner Körper sich ein einen athletischen Körper transformieren würde. Ich warte immer noch.

*

Als ich entdeckte, dass auch mein Körper ein Ausdrucksort war, begann ich, ihn mit simplen Prothesen abzuändern und neu zu kleiden, um auf diese Weise Dinge auszudrücken, die ich mich nicht zu sagen traute. Vor allem aber machte ich aus meinem Körper einen Tempel, den ich der Verehrung der Jugend widmete (Ferdydurke ist mein Held). Aber der Körper ist eine eigensinnige Uhr, und die Spiegel lügen nicht.

*

Ein tief liegendes Brustbein, sehr dünne Beine, die Nase eines Boxers, eine geteilte Stirn, zu lange Arme, zahlreiche Leberflecken und Narben. Ein klitzekleiner, alles andere als perfekter Raum, in dem ich die Gesetze mache.

*

Ich wollte den Ratschlag mens sana in corpore sano (gesunder Verstand in gesundem Körper) umkehren. Meinen „Verstand“ kultivieren, um meinen Körper zu perfektionieren. Gehirntraining, das meine Muskeln stärken würde. Mit der Zeit bemerkte ich, dass der Körper seine eigene Sprache spricht und sagt, was er will: Er spricht mit der starken Stimme des Begehrens.

*

Verrückte Körper in geistesgestörten Hirnen: Ich sehe Die Fliege von Cronenberg wie eine freie und aktuelle Adaption von Kafkas Verwandlung.

*

In dieser dualistischen Welt vermag es niemand, seinen Körper zu überspringen. Gänzlich versteht niemand den eigenen Schauplatz seines Herzschlags, das Territorium seiner Krankheit, sein unkontrollierbares Archiv. Opfer und Täter des Schmerzes und der Lust, Opfer von kollektiven Somatisierungen.

*

Cutter, Autopornographen, Transformatoren: Häftlinge im engen Gefängnis des Körpers.

*

In der Jugend dachte ich, dass mein Körper eines Tages seinen unveränderlichen und definitiven Zustand erlangen würde. Jetzt weiß ich, dass die Pubertät nie aufhört.

Übersetzung: Anne Becker

]]>
http://superdemokraticos.com/themen/koerper/espanol-pedazos-de-cuerpo/feed/ 4
Der Körper des Anderen http://superdemokraticos.com/themen/koerper/der-korper-des-anderen/ Thu, 12 Aug 2010 18:07:07 +0000 http://superdemokraticos.com/?p=809 Mit 13 Jahren, nach einem stilistischen Debakel beim Fußball, entschloss ich mich, Boxer zu werden. Ich dachte – obwohl ich nie herausfinden werde, ob ich Recht hatte –, dass ich auf eine massive und mächtige Waffe zurückgreifen konnte, die meine Gegner nicht besaßen: Intelligenz, schnelle Auffassungsgabe. Auf einem Spielfeld ist es wichtig, die gegnerische Mannschaft zu lesen, aber die Hüfte, die Präzision des Tritts, die Kraft beim Sprung, die Schnelligkeit und die Füße am Ball sind fundamental. Also entschied ich mich für das dritte, das mir nach den Frauen am besten gefiel: das Kämpfen. Dazu benutzte ich das Beste, was die kleine Geographie meines Körper zu bieten hatte, nämlich mein Gehirn, um jeden zu besiegen, der es wagte, sich vor mir die Handschuhe anzuziehen.

Natürlich übte ich auch mit meinen Freunden. Wir haben uns jede Woche mit Fäusten windelweich geprügelt, und ich war gar nicht so schlecht darin. Ich genoss den Vorteil langer Arme und meine Fingerknöchel waren spitz. Damals zeichnete sich noch nicht die Kurve dieses Bauchmuskels ab, die heute herausragt und mich definiert, auch hatte mir meine Mutter mit einem Gesicht, das sogar Sugar Rey Leonard blass hätte werden lassen, erklärt, dass sie mir eher ein Motorrad kauften würde, um meinen Gehirntod durch einen Unfall zu beschleunigen, als mich boxen zu lassen.

Also ging ich nach Caracas um zu studieren, bis mir was anderes einfallen würde, und dabei fiel mir wieder mein Körper ein. Einem meiner besten Freunde wurde eine Tracht Prügel verpasst, weil er mich verteidigen wollte. Und in der Woche darauf, nach einem entsetzlichen Vorsprechen, entschied sich die Leiterin der Theatergruppe an der Universität, gemeinsam mit einer Reihe von Schauspiel-Laien, mich in das Ensemble aufzunehmen. Vier Jahre lang habe ich – erfolglos – versucht zu lernen, wie ich besser atmen könne, damit jedes meiner Organe eine Aufgabe erfüllt und ich die Emotionen nach meinem Willen steuern – und verarbeiten – kann, um Figuren und Situationen je nach Situation, angemessenen verkörpern zu können. Ich habe mich nie wieder geprügelt.

Wie das Leben nun mal so spielt, war meine Abschiedsrolle bei der Theatergruppe die gescheiterte Darstellung eines Boxers. Das Stück war eine Bühnenversion von Woody Allens Film „Geliebte Aphrodite“, das es niemals bis zur Aufführung schaffte, wobei ich mich an die Gründe heute nicht mehr erinnere. Es waren gerade mal sechs oder sieben Jahre vergangen, seitdem ich mich von meinem Traum, Säcke zu schlagen und Seil zu springen, verabschiedet hatte. In dieser Zeit hatte ich einige Dinge gelernt, über die Sprache und ihre Macht, über den Körper und seine Kraft, über meine Zukunft und einen neuen Gebrauch der Sprache und des Körpers, inklusive der Stimme, meine zwei Lieblingswerkzeuge. Dinge, die mich darüber nachdenken ließen, dass ich die Frauen – diejenigen, die ich zwar weniger als den Fußball, aber mehr als das Boxen mochte – nun näher und besser kennenlernen sollte. So, als ob es tatsächlich möglich wäre, die Emotionen meines Körpers zu steuern und zu projizieren, sie auch in anderen Menschen hervorrufen zu können.

Jetzt habe ich das Theater verlassen, und obwohl ich in der Lage bin mir einen Boxkampf bis zur letzten Runde anzusehen, meine Atmung zu beschleunigen und alles, ohne wetten zu müssen, habe ich nicht das geringste Interesse daran, mich einem Boxring zu nähern. Ich habe versucht, mir Yoga näher zu bringen, habe die Mediation ausprobiert und versucht, zum Fußball zurückzukehren, wie ein Amateur, der alleine sein Instrument spielt. Ich habe vor Tausenden von Menschen gesprochen, mit Dutzenden Frauen geschlafen, mich bei Verkehrsunfällen verletzt, bei Trinkunfällen, bei Unfällen aus Dummheit, ich bin kilometerweit gelaufen, um einen Ort besser kennenzulernen, ich habe in vielen Lokalitäten Salsa getanzt, und ich habe mich davon überzeugt, dass das Gehirn wichtig ist, aber dass der Körper in seiner Einheit schlussendlich das Fundamentale ist.

Trotzdem – und verzeiht mir die Kitschigkeit, aber die Ausarbeitung des Themas ist frei – ist es manchmal nicht möglich die Gefühle des Körpers zu steuern und zu verarbeiten. All das ging nicht, bis ich meine Tochter atmen sah. Ich starrte sie an, ein ums andere Mal, und mein Blick blieb an ihrem Bauch hängen, der sich wölbte und wieder flach wurde, so viele Male in jeder Minute. Da verstand ich die Macht, die der Körper, die Muskeln, das Blut, die Knochen haben und die Zartheit, die sie verbergen. Wenn ich das beschreibe, scheint es mir menschlich gesehen unmöglich, aber ich schwöre, dass ich deshalb einige Male weinen musste, etwas, das mir weder in den brutalsten Kämpfen, an denen ich teilgenommen habe, noch bei meinen besten Auftritten im Theater passiert ist.

Übersetzung: Barbara Buxbaum

]]>
Unfertige Ode an die Atmung http://superdemokraticos.com/themen/koerper/unfertige-ode-an-die-atmung/ http://superdemokraticos.com/themen/koerper/unfertige-ode-an-die-atmung/#comments Wed, 11 Aug 2010 14:52:02 +0000 http://superdemokraticos.com/?p=641 Gegen 3 Uhr nachmittags rief mich ein Körper an, und ich konnte nicht offen reden, weil andere Menschen im Raum waren und es ein Körper war, den ich lange nicht gesehen hatte.

Ich lernte ihn an einem Sommertag, über Kopf hängend, kennen. Nach einem ungeschickten Versuch, eine Pirouette auf einem Geländer zu drehen, verwickelte ich mich in die Metallstangen, ohne zu wissen, wie ich mich unblamiert daraus befreien sollte. In diesem Moment erschien ein gebräunter und athletischer Körper, der sich über meine Situation amüsierte. „Was ist, Kleine? Kann ich dir helfen?“ Hehe, dachte ich, gerne, rette mein Leben, schnell! Er holte mich von dieser tödlichen Falle herunter, die von der Stadtverwaltung aufgestellt worden war, und bald waren wir beide auf der Erde und schauten uns an. Dass ich hier in der Nähe wohne, spazieren ging und dabei idiotisch mit der Umgebung interagierte. Dass er hierher kam, um am Reck zu trainieren und dabei auf’s Meer zu schauen, weil es hierfür ein ausgezeichneter Ort ist. Und so verabredeten wir uns für einen anderen, von der Hitze glühenden Tag am Malecón (ein von Parks und Grünflächen gesäumter Uferweg in Lima, Anm. d. Ü.): Er kommt mit seinem Körper, und ich überwinde meine Zweifel und bringe den meinen. Wir unterhalten uns auf einer Bank und er küsst mich, die Bewässerungsanlagen des Parks springen an und wir möchten uns abkühlen. Er nähert sich und steckt den Kopf hinein wie ein junger Hund, der auf ein Daunenkissen losgeht. Ich gehe schüchterner darauf zu und ein paar Tropfen treffen mich im Gesicht. Der Körper umarmt mich und schubst mich zum Wasserstrahl, unter Gelächter machen wir uns gegenseitig nass. Was, zum Teufel, ist das? Die Menschen schauen uns an, es ist ein Softporno, ein Video von Chris Isaak oder Britney am Strand. Es fehlt nur die Musik! Auch ihm fällt es auf. Ja, bei mir zu Hause gibt es Musik, was für ein Zufall. Wir betreten es und mein Zimmer ist die Karibik, der Körper ist pure, transpirierende Kraft. Die Atmung ist unser Gott. Atmen ist das Laster des Selbst, niemand kann es stoppen, es fühlt sich so gut an zu leben. Es ist ständiges Training. Atme. Du fühlst die Luft, die alle Organe überwacht, die dem Hirn Rosen schenkt und dem Herzen schmeichelt. Du wirst dir deiner rechten Hand bewusst, deine Fingerkuppen berühren die Maus, die beglückt ist, von deinen prachtvollen Fingern berührt zu werden. Dein Rücken könnte gerader sein, es ist dein Zentrum und dein Zepter. Atme erneut. Jetzt mach alleine weiter, ich muss gehen.

Übersetzung: Marcela Knapp

]]>
http://superdemokraticos.com/themen/koerper/unfertige-ode-an-die-atmung/feed/ 2
Ausscheidungen, Röcheln, Tod http://superdemokraticos.com/themen/koerper/ausscheidungen-rocheln-tod/ http://superdemokraticos.com/themen/koerper/ausscheidungen-rocheln-tod/#comments Wed, 11 Aug 2010 07:17:44 +0000 http://superdemokraticos.com/?p=601
Deth of Field
Image by Hryck. via Flickr

Nara „Pionierin nationale Avantgarde“ misstönend und wohlklingend, liebt sich und bewaffnet sich „bis auf die Zähne“, sie wiederholt sich: „Ich habe einen Ausbruch/ ich habe eine Nation/ ich habe eine Revolution, wenn ich aus dieser Tür hinaustrete.“.

Jamila Medina. Ich, herrliche Tür: Ansichten einer Poesie mit Zwischenräumen

Revista Desliz 3, Kuba, 2009

Mein Körper ist kein Körper, er ist eine überinterpretierte Einheit, die zu viele Adjektive übrig hat und der zugleich die Fingernägel fehlen. Heute, hier im Westen, hier in Lateinamerika, hier in der Karibik, hier auf dieser Insel und in Havanna, ist ein Körper niemals ein Körper, sondern ein Ensemble von Worten, die Eigenschaften evozieren, aber die mögliche Stimme des Körpers ausschließen. Mit Glück schenkt der tropische Körper im Falle einer visuellen Überraschung ein paar spontane und eloquente Einsilber, die sich am ehesten an das annähern, was man sich unter dem Diskurs des Körpers vorstellen könnte.

Ein Körper ist übermäßig oft schlank, exquisit, leicht, brutal, abgegriffen, makellos und aufdringlich. Ein Körper Nicht-Körper, ist dieses Sprechen ohne Haare, Zähne und Flüssigkeiten. Während die Stadt sich immer häufiger in vitalen, organischen Metaphern erzählt, als sei sie ein Lebewesen, bleibt der Körper sich selbst blind. Die Glokalität buchstabiert sich wie ein Körper: Hier werden Informations„flüsse“ ausgetauscht, hier „zirkulieren“ Autos auf den Straßen, während sich zum Beispiel das Kapital aus dem Agrobusiness in Sinaloa „in den Händen des Drogenhandels“ befindet.  Die Stadt humanisiert sich, aber der Körper ist dennoch nicht da. Was ist letztlich das Menschliche? Müsst man diesen Begriff nicht genauso mit körperlicher Materie – man lese Schwindel, Röcheln und Ausscheidungen – auffüllen?

Also, versuchen wir, es einfach mal zu sagen: Das Wort zivil verlangt ein Individuum, das nicht vor seinem Körper davon rennt, sondern versteht, mit seinem Tod einen einsamen Dialog zu führen. Mit einem Körpers zu leben bedeutet auch, die Gewissheit eines nahe bevorstehenden Todes zu ertragen. Und ja, die Stammzellen machen Hoffnung. Aber wer möchte wahrhaftig die Unsterblichkeit? Und noch besser: Wer kann mit ihr leben?

Übersetzung: Anne Becker

]]>
http://superdemokraticos.com/themen/koerper/ausscheidungen-rocheln-tod/feed/ 2
Schönheitstipps http://superdemokraticos.com/themen/koerper/schonheitstipps/ http://superdemokraticos.com/themen/koerper/schonheitstipps/#comments Tue, 10 Aug 2010 18:52:07 +0000 http://superdemokraticos.com/?p=596 Seit über einem Jahrhundert ist die Schönheit, diese große Tyrannei, nicht mehr das Leitprinzip der Kunst: Bewertungen wie „schön“ oder „hässlich“ erweisen sich im Moment der Beurteilung eines Werkes als wirkungslos. Trotzdem hat sich im Gegensatz dazu die Schönheit (oder besser gesagt ein sehr eigenartiges und eingeschränktes Konzept der Schönheit) zu einer sozialen Norm herausgebildet. Unsere Körper unterliegen dem Joch einer ästhetischen Diktatur.

Natürlich gab es immer schon Personen, die nach den jeweils aktuellen kulturellen Mustern schöner als andere galten. Und natürlich beeinflussen jene kulturellen Muster das, was eine Person an einer anderen attraktiv findet. Aber damals wie heute „finden auch Hormone, die von der Vernunft nicht verstanden werden, ihre Wege“ (aus einem Lied von Liliana Felipe und Jesusa Rodriguez). Wie auch immer. Ich will sagen, dass, unabhängig davon, dass jede Epoche ihre eigenen Gesetze der Schönheit hatte, diese heute möglicherweise so brutal wie nie sind. Schön zu sein, ist zu einer moralischen Verpflichtung geworden. Kann es sein, dass die Schönheit die restlichen Bürger in die Verantwortung genommen hat, als die Künstler genug von ihr hatten?

Jeder Mensch, so scheint es, steht heute vor der Aufgabe, schön wie eine Skulptur zu sein, aber nicht wie eine der modernen, sondern wie eine der klassisch griechischen Skulpturen. Und die Gesellschaft hat Zwangsmechanismen dafür geschaffen. Ein Beispiel: die Größen und Kleidermodelle, die man in Geschäften kaufen kann. Größen und Modelle (jedes Mal enger geschnitten), die als Regeln dienen, der sich der eigene Körper „anzupassen“ hat. Das ist das genaue Gegenteil von der alten Idee zum Schneider oder zur Näherin zu gehen: Dort gab der Körper seine eigenen Maße vor. Was für eine Epoche der Freiheit! Heutzutage befolgt der Körper, so sehr er kann, fremde Maße.

Die letzten Jahre zeichnen sich auch durch die Eroberung der individuellen Freiheiten aus. Doch die Moral versteckt sich hinter der Maske der Schönheit. Sie tut so, als ob es nur eine Frage der Ästhetik wäre, die eigenen Rechte auszuüben. Als ob nur die Schönen das Recht hätten, ihre Sexualität auszuleben: Genau das ist die Idee, die das kommerzielle Kino und die konventionelle Pornographie bestätigen.Wenn ein Mann beispielsweise eine Vorliebe für dicke Frauen hat, Typ paläolithische Venusfiguren, oder für in die Jahre gekommene Frauen, soll heißen, Frauen, die außerhalb des aktuellen Schönheitskanons stehen, der die Schlankheit und die Jugend verherrlicht, trifft ihn das Schicksal eines „Vom-Weg-Abgekommenen“, und wenn er ein Pornovideo finden will, dass ihn befriedigt, wird er das im Hinterzimmer der Philien suchen müssen. Ja, denn er weicht von der Norm ab, die aussagt, dass nur bestimmte Körper, die bestimmte ästhetische Qualitäten vereinen, als begehrenswert verstanden werden können. Obwohl in Wirklichkeit jeder Körper eine faszinierende Abweichung von der Norm darstellt.

Aber anstatt unsere Körper zu befreien, wie in der zeitgenössischen Kunst, wollen wir lieber klassisch sein. Und wenn wir die ästhetischen Normen nicht erfüllen können, bleiben wir, als Zeichen des guten Geschmacks, lieber alleine zu Hause und schauen uns im Fernsehen diese Infomercials für Bauchmuskel-Trainingsapparate an, mit denen wir die von der Norm abgekommenen Körper quälen und beharrlich versuchen, diese Vorgaben irgendwie zu erreichen. Um damit nur jenes zu bestätigen, was ein lieber Freund, Juan Carlos Bautista, geschrieben hat: „Der einzige Körper, den wir voller Abneigung hassen können, ist der eigene Körper“.

Übersetzung: Barbara Buxbaum

]]>
http://superdemokraticos.com/themen/koerper/schonheitstipps/feed/ 6
Digitale Körper II: Swinger Club (+18) http://superdemokraticos.com/themen/koerper/digitale-korper-ii-swinger-club-18/ Fri, 06 Aug 2010 17:54:50 +0000 http://superdemokraticos.com/?p=591 Bildschirme bringen die Menschen näher. Die begeben sich dann – unzufrieden mit diesem strahlenden Verführer – auf die Straße, um jene Freuden zu finden, die der Voyeurismus und der Exhibitionismus nicht schenken können. Die Normalität verfolgt und diszipliniert uns, sei es, indem sie uns von einer Empore psychoanalytische Doktrin lehrt oder indem sie uns einen von einer Soutane verborgenen, masturbierenden Arm zeigt. Was für eine Normalität fordern diese Mächte von uns ein, in einer Zeit, in der wir unsere Intimität in einem Schaufenster ausstellen, das den gesamten Globus, alle Kulturen, alle Moral zu umfassen scheint?

Wir treten auf die Straße und sind uns dieser Dilemmata bewusst. Unser Wissen von dem Widerspruch, dass wir nicht besitzen können, was noch nicht existiert, ist unerschütterlich; wir fühlen uns schuldig, uns selbst zu unterdrücken, schuldig, Regeln zu benötigen, um uns zwischen andere Körper zu begeben. Wir fühlen uns durch die miteinander geteilte Geilheit und die schlaflosen Stunden, in denen wir mit Hilfe von Emoticons, vorgefertigten Wörtern und unmöglichen, übertriebenen Bildern reden und reden, ermutigt. Wir, nur zwei Menschen, die auf der Suche danach waren, unsere wirkungslosen Genitalien wiederzubeleben, stürzten uns auf die Straße, um zum ersten Mal unsere Gerüche zu suchen, die Farben, die die Realität in sich birgt.

Eine bestimmte Etikette musste befolgt werden, um Zugang zu diesem Swinger Club zu bekommen, wobei es sich lediglich um gemeinschaftliche Normen handelte, die dazu gedacht waren, den Gruppensex entspannter zu gestalten. Die Neutralität der Dinge, der Objekte und sogar des Denkens verdeckten sich hinter Keimfreiheit. Eingehüllt in ein Kleid, das jeden Millimeter deines Körper abzeichnete, hast du gestrahlt und warst auch ein bisschen erschrocken. Der Stoff, den du trugst, war so zart wie deine Haut, und das Geschehen des Abends geleitete uns bis zu einem dunklen Raum, das von einem riesigen, in Plastik gehüllten Bett beherrscht wurde. Ein Pärchen schloss sich uns an, das ihre Blicke auf deine spitzen Brüste heftete, die schon von meiner Spucke schimmerten.

Eingebunden in das Spiel, nähertest du dich diesen zwei Körpern, um ihnen mit Gesten zu signalisieren, dass ich nur hier war, um dir zuzuschauen, dass meine Anwesenheit ausschließlich professioneller Natur war, dass ich gerade einen Artikel über Körper für „Los Superdemokráticos“ schrieb… über die Körper, die in unseren Computern ein- und ausgehen; diese Körper, die sich uns anschlossen, während deine Kleidung verschwand.

Du warst die einzige, die vollständig nackt war, du warst ein Fleck aus Fleisch inmitten der verwickelten Kleidung der Menge, und ich beobachtete dich, um deine authentische Lust von simulierter Lust trennen zu können. Du bewegtest dich wie ein riesiger Mund von einem Geschlecht zum anderen, und alle Teilnehmenden begannen, sich deinem schwachen Stöhnen, deiner Atmung anzuschließen. Es türmte sich bereits auf dem Bett und die Hände der Männer und Frauen über dir, als du den Entschluss fasstest, einen jungen Mann, der abseits wartete, einzuladen. Du bücktest dich und strecktest ihm deinen Hintern entgegen und verführtest ihn damit auf solch überzeugende Weise, dass er sich innerhalb weniger Minuten entkleidete und sich einen Weg bahnte, um in dich einzudringen. Indem er sanft deine winzige Hüfte umfasste und seinen Blick auf deine offenen Pobacken heftete, brachte er meine Geilheit fast bis zum Kollaps. Mit einer geplanten Bewegung zogst du deinen Kopf zwischen den Beinen einer Brünetten hervor und lehntest deinen Rücken an die Brust des jungen Mannes, der weiterhin in dir war. Als er deine Wärme, die hohe Temperatur deines Fiebers spürte, fasste er dir an die Brust und schenkte dir einen Schauer feuchter Küsse und schmutziger Worte…

Du danktest ihm

mit einem Stöhnen

das ein massives

kollektives Seufzen

entfesselte…

Übersetzung: Marcela Knapp

]]>
Oscar Bin Laden http://superdemokraticos.com/themen/koerper/oscar-bin-laden/ http://superdemokraticos.com/themen/koerper/oscar-bin-laden/#comments Fri, 06 Aug 2010 07:00:16 +0000 http://superdemokraticos.com/?p=581

„Sie können hier nicht mehr arbeiten, Anweisung von oben“, sagte die Filialleiterin. „Habe ich etwas falsch gemacht?“ fragte Brufani. „Die Kontrolleure finden, Sie sehen aus wie Osama Bin Laden."

Wenn in diesem Monat das Oberthema unserer Texte „Körper“ ist, denke ich auch an Menschen, die aufgrund ihres äußeren Erscheinungsbildes diskriminiert werden. Der vielleicht kurioseste Fall, von dem mir ein Betroffener selbst erzählt hat, ist der von Oscar Brufani, einem LKW-Fahrer in Argentinien. Niemals hätte er gedacht, dass die weltweite Angst vor terroristischen Attacken sein Leben beeinflussen könnte. Er fuhr doch nur Kartoffelchips aus.

Doch dann wurde ihm sein Bart zum Verhängnis. Nur drei Mal in seinem Leben hatte er sich rasiert: Einmal, als er 18 wurde, fürs Passfoto. Das zweite Mal war bei der Musterung. Das dritte Mal bereut er noch heute: Er wollte seiner Frau einen Gefallen tun. Die freute sich, aber die drei kleinen Töchter rannten vor ihm weg. Sie erkannten den Mann mit dem nackten Kinn nicht. Nie wieder, schwor Brufani, würde er sich den Bart abschneiden. Jeden Morgen wäscht er ihn mit Shampoo und bei der Arbeit steckt er ihn ins Hemd, wie andere Leute eine Krawatte unter den Pullunder.

Jahrelang belieferte er als Selbstständiger große Supermärkte im Süden von Buenos Aires mit Kartoffelchips. Doch eines Tages, nachdem er die Kisten bei Wal-Mart abgeladen hat, ließ die Filialleiterin ihn warten. Sie sprach mit zwei Kontrolleuren aus den USA. Brufani waren die Männer im Anzug schon beim Abladen der Kisten aufgefallen, sie tuschelten, sahen zu ihm herüber.

Brufani erinnert sich an den Dialog mit der Filialchefin: „Sie können hier nicht mehr arbeiten, Anweisung von oben, sagte die Dame. Habe ich etwas falsch gemacht?“ fragte er. Nein, sein Bart sei schuld, sagte die Filialleiterin. „Die Kontrolleure finden, Sie sehen aus wie Osama Bin Laden.“

Die haben einen Knall, die Nordamerikaner, dachte Brufani. Glaubten die wirklich, Bin Laden würde Chips ausliefern? Doch am nächsten Tag verweigerte ihm das Sicherheitspersonal den Zutritt. Brufani verstand nicht. Er ist Argentinier, Sohn italienischer Einwanderer, im Wohnzimmer hängt ein Kreuz.

Brufani fuhr weiter Chips aus, er belieferte seine üblichen Kunden, nur die Tore von Wal-Mart in La Plata blieben verschlossen. Für Brufani war das eine Katastrophe. „Ich muss Wal-Mart beliefern, sonst bin ich raus.“ Also begann er, einen Fahrer zu bezahlen, der die paar Meter zu Wal-Mart auf den Hof fuhr. Und nahm sich einen Anwalt. Doch der musste erstmal klären, ob der Konzern überhaupt Vorschriften verletzte. Ist es strafbar, zu behaupten, dass ein Mann aussieht wie ein Top-Terrorist, von dem man keine Kartoffelchips geliefert bekommen möchte? Das Antidiskriminierungsgesetz erfasst solche Fälle nicht. Brufani wird weder aus religiösen noch aus rassistischen Motiven diskriminiert. Die Klage von Brufani sei haltlos, heißt es lapidar in einer Presseerklärung des Konzerns.

Brufani hat danach nie wieder versucht, bei Wal-Mart einzukaufen. Er geht zur Konkurrenz, da ist er willkommen. Einmal begrüßte ihn dort sogar jemand von der Geschäftsleitung, als er gerade an der Kasse stand. „Wir haben Sie auf den Überwachungsbildschirmen gesehen“, sagte die junge Frau. „Möchten Sie für uns als Weihnachtsmann arbeiten?“

]]>
http://superdemokraticos.com/themen/koerper/oscar-bin-laden/feed/ 1