Blogs – Los Superdemokraticos http://superdemokraticos.com Mon, 03 Sep 2018 09:57:01 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=4.9.8 Web-publishing artist http://superdemokraticos.com/themen/intellektuelle/web-publishing-artist/ http://superdemokraticos.com/themen/intellektuelle/web-publishing-artist/#comments Sat, 22 Oct 2011 08:40:18 +0000 http://superdemokraticos.com/?p=5340

(c) Lilli Loge

Ich liebe es, Videos auf Youtube anzuschauen…, Songs kostenlos bei Hypemachine herunterzuladen, … und ich bin süchtig nach Comic-Blogs.

Tja, ich bin eine im Netz publizierende Künstlerin, ich habe kein Geld, um für Kunst zu bezahlen.

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Nullpunkt Panoptikum http://superdemokraticos.com/themen/koerper/nullpunkt-panoptikum/ http://superdemokraticos.com/themen/koerper/nullpunkt-panoptikum/#comments Thu, 22 Jul 2010 15:03:36 +0000 http://superdemokraticos.com/?p=494 Ich gucke mir die Fotos meiner Freunde und der Freunde meiner Freunde in den digitalen sozialen Netzwerken, in den Blogs, den Fotologs und so weiter an. Ich kenne ihre Häuser, ihren Geschmack, ihre Haustiere. Von den Wagemutigsten habe auch ihre depilierten Geschlechtsteile gesehen, ihre Verwüstungen, ihre Miseren. Ich bin eine digitale Voyeurin, die sich an der Intimität der anderen erfreut. Ich gucke von meinem Fenster-Bildschirm ihren entfernten, fremden Leben zu. Ihren Lebensumständen, ihren Freunden, den ersten Schritten ihrer Kinder.

Manchmal bin ich Augenzeugin von Streits und Missverständnissen. Manchmal bekomme ich noch vor meiner Mutter den neusten Familienklatsch mit. Ab und zu habe ich das Glück, dass meine Freunde und deren Freunde alte Fotos hochladen: Auf diese Weise lerne ich ihre Geschichte kennen, ihre Windeln, ihre Schuluniformen, ihre Pubertätsakne. Ich bin eine Wächterin inmitten eines panoptischen Gefängnisses – jener Idee von Jeremy Bentham vor abertausenden von Jahren, die von Michel Foucault im letzten Jahrhundert aufgegriffen wurde, um die Techniken der Überwachung zu erklären, die der hegemoniale Staat, die „Disziplinargesellschaft“ erfindet. Den Techniken ging es nicht um die Erforschung des Realen, sondern um Kontrolle. In diesem Bau der Überwachungsarchitektur war alles, was eine Person tat, dem Blick eines Wächters ausgesetzt, der selbst nicht gesehen werden konnte. Der Unterschied heute ist, dass auch ich gesehen werde. Wächterin und Überwachte zugleich, stelle ich meine Intimsphäre zur Schau und gucke mir die Intimsphäre der anderen an. Foucaults Begriff des Panoptikums  ist in letzter Zeit wieder entstaubt worden, um die verblüffendsten Phänomene des Web 2.0 zu erklären: die Zurschaustellung/Beobachtung der Intimsphäre.

Nichtsdestotrotz glaube ich, dass dieser Begriff zu kurz greift, oder dass man zumindest von einem Panoptikum in einem weiteren Panoptikum sprechen müsste – so wie die russischen Babuschka-Puppen. Wir überwachen die Intimsphäre von anderen, und werden zugleich von anderen überwacht, die auch überwacht werden. Es mag sein, dass am Ende dieser Kette von Wächter-Voyeuren die Disziplinargesellschaft und die invasive Gesellschaft steht, die uns in Schranken halten will. Zumindest glauben das die Abtrünnigen der digitalen sozialen Netzwerke und des semantischen Webs.

Wie dem auch sei: Man darf nicht vergessen, dass es sich in dieser neuen Situation, in der unsere Intimität zur Schau gestellt und überwacht wird, um eine absichtliche Zurschaustellung handelt. Ich zeige das, was ich will, dass der andere sieht. Es handelt sich nicht um eine in flagranti aufgeschnappte Intimität, eine offene Tür mitten in der Nacht oder die aufgeschlagene Seite eines zufällig gefundenen Tagebuchs, sondern um die Intimsphäre eines Exhibitionisten, eines Megalomanen, eines Egozentrikers. Einer Person, die weiß, dass sie gesehen wird, mehr sogar, die angeschaut werden will. Der digitale Exhibitionist konstruiert seinen Avatar wie jemand, der sich eine fiktive Geschichte ausdenkt. Eine Autofiktion, ein der Literatur entlehnter Terminus oder viceversa.  Die zur Allgemeinheit gewordene Lust, in die Intimsphäre eines anderen einzudringen, hat die Literatur erreicht: Nicht umsonst weisen Autobiographien und Bücher des Genre „Autofiktion“ die höchsten Verkaufszahlen auf. In den letzten Jahren boomen diese in der ersten Person erzählten Romane, in denen der Erzähler denselben Namen trägt wie der Autor, oder seine Initialien oder einen ähnlich klingenden Namen und in denen die dramatische Wendung der Romane sehr viele Berührungspunkte hat mit realen Begebenheiten aus dem Leben des Autors.

Die digitale Intimsphäre ist konstruiert: Wir suchen die Fotos und Sätze aus, die wir zeigen wollen. Wir ziehen uns aus vor der Kamera, aber wir zeigen uns von unserer besten Seite. Wir wissen, dass wir angeguckt werden. Wir wollen gesehen werden. Und wir wollen auch das Simulakrum der Intimität angucken, welches uns die anderen zeigen. Lacan hat gesagt, dass das Begehren immer das Begehren des Anderen ist, dass es einen Appetit des Auges gibt, der nur gestillt wird mit dem Zeigen-um-angesehen-zu-werden. Dieses Zeigen-um-angesehen-zu-werden ist nicht unschuldig.

Zu dem verallgemeinerten Bedürfnis, die Intimität eines Anderen zu beobachten gesellt sich das Bedürfnis, eine digitale Identität zu erschaffen, um sie zu zeigen. Blogs kommen mir weniger wie Aktualisierungen der alten Tagebücher vor, denn wie Multimediaversionen der Reality Shows, von denen es im Fernsehen wimmelt. Klar, es handelt sich um wesentlich interessantere und vielseitigere Reality Shows: die rosafarbene Jugendliche, die von den Details ihres ersten Liebeskummers berichtet; der große Intellektuelle, der Bücher rezensiert und sich versteckt hält; die theoretischen und praktischen Mütter des spanischen Post-Pornos; der Schriftsteller, der sich für alles und mit allen Mitteln des Web 2.0 verkauft. Alle machen sich vor meinen Augen frei und meine Augen gelüsten nach ihnen. Ich folge ihnen, ich etikettiere sie, ich füge sie zu meinen Favoriten hinzu, zu meinem google reader, zu meinen feeds. Ich kenne sie besser als meine Nachbarn.

Übersetzung: Anne Becker

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Ich habe jedes Facebookquiz beantwortet http://superdemokraticos.com/poetologie/ich-habe-jedes-facebookquiz-beantwortet/ http://superdemokraticos.com/poetologie/ich-habe-jedes-facebookquiz-beantwortet/#comments Wed, 16 Jun 2010 16:24:39 +0000 http://superdemokraticos.com/?p=173 Ich heiße Sabine Scho und wurde am 1. September 1970 in Ochtrup – einer Kleinstadt nahe Holland – geboren, habe den Kindergarten nicht gemocht und die Grundschule ohne Probleme bewältigt. Das Abi habe ich in der Regelschulzeit geschafft und hätte damit auch irgendwas Zugangsbeschränktes studieren können, stattdessen aber schrieb ich mich für Philosophie und Germanistik in der nächstbesten Uni ein, weil mich die Kunstakademie nicht wollte und man die Philosophie und die Germanistik nicht gefragt hat, ob sie mich will.

Wollte ich je Dichterin werden? Nie. Tja, vermutlich bin ich es auch gar nicht geworden, aber einige Gedichte gelangen scheinbar, denn man gab mir Preise dafür, wenn auch eher milde dotierte oder halbierte, und Stipendien, wenn auch sagenhaft tolle, aber zu wenige. Ich fand immer, dass andere nicht unbedingt besser schreiben als ich, aber die anderen sind meist viel fleißiger, das gebe ich gerne zu.

Meine Mutter frug meine Grundschullehrerin mal, ob wir eigentlich nie Hausaufgaben auf hätten, die Lehrerin fiel völlig von der Rolle, natürlich hätten wir, „aber ich sehe unsere Sabine nie welche machen“; nicht schön, wenn man so in die Pfanne gehauen wird, aber ich kann mich nicht daran erinnern, mangels fehlender Hausaufgaben in der Schule je aufgefallen zu sein, habe nur komplett vergessen, wie ich das anstellte. Inzwischen, befürchte ich, ist es schon aufgefallen, dass ich meine Hausaufgaben manchmal nicht gemacht habe, sonst hätte man mich bestimmt für jedes der nicht geschriebenen Bücher bepreist. So hält man leider weiter stur daran fest, die zu belohnen, die auch noch Bücher schreiben. Etwas ungerecht finde ich das schon, wo ich mich doch als überhaupt nicht untätig empfinde. Und, immerhin, zwei Bücher gibt es auch von mir bei kookbooks, Album und farben, sie sind schön wie nix, gut geschrieben und mit Bildern, was will man mehr.

Der Dämon der Selbstüberraschung ist mein ständiger Begleiter, wenngleich mich nichts mehr quält, als mit neuen Amateurstudien zu dilettieren, lieber würde ich mich ans Klavier setzen und einfach gut Klavier und nur Klavier spielen können. Aber, ich kann kein Klavier spielen und leider ist es völlig egal, welchen Buchstaben ich auf der Tastatur anschlage, klingt alles ähnlich. Üben soll helfen. Seit es Blogs gibt, wird viel geübt und viel dilettiert, das kommt mir sehr entgegen, ich muss es nicht Arbeit nennen und habe trotzdem etwas gemacht. Ich kann auch stundenlang nur Synonyme suchen und habe bereits jedes Facebookquiz beantwortet. Alles in allem bin ich ein eher uneffizienter Mensch, der sich und seine Zeit gern verschwendet. Dass ich nicht tagein tagaus World of Warcraft spiele, liegt nur daran, dass ich es nicht kann, und dass ich heute in São Paulo und Berlin lebe, liegt daran, dass ich es kann, was wiederum an einem fabelhaften Menschen liegt, der alles das kann, was ich nicht kann, und das ist enorm viel, darum beschäftigt man ihn gern, und ich muss mich selbst beschäftigen, das aber gelingt mir manchmal auch nicht so schlecht. Weil mich São Paulo nicht beschäftigt, beschäftige ich mich in São Paulo, womit, wird man hier noch lesen und sehen. Bom divertimento!

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