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	<title>Los Superdemokraticos</title>
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		<title>Zusammen schauen</title>
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		<pubDate>Sat, 12 May 2012 09:13:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nikola Richter</dc:creator>
				<category><![CDATA[Monatsthema]]></category>

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		<description><![CDATA[Wie verändern sich Autor, Text, Leser durch den gemeinsamen Kulturort Netz? ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-full wp-image-6414" title="lsd headerbild (c) anne vagt" src="http://superdemokraticos.com/wp-content/uploads/2012/05/lsd-headerbild-c-anne-vagt.jpg" alt="" width="843" height="180" /></p>
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		<title>Randglossen zu einem Text aus dem Internet</title>
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		<pubDate>Sat, 12 May 2012 09:01:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jan Kuhlbrodt</dc:creator>
				<category><![CDATA[Cronotopo cero]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[DDR]]></category>
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		<category><![CDATA[Piratenpartei]]></category>
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		<category><![CDATA[Urheberrecht]]></category>
		<category><![CDATA[Wir sind die Urheber]]></category>

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		<description><![CDATA[Vorsatz:
Im land, in dem ich meine kindheit und jugend verbrachte, galt von staats wegen nur der als künstler, der von anderen künstlern in einen künstlerverband aufgenommen wurde, je nach gattung die sparte. Die partei wachte mit argusaugen darüber, dass keiner einfach sich hineinverirrte. Verwirrte, also solche, die aus eigener vorstellug künstler sein wollten, wurden draußen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Vorsatz:</p>
<p>Im land, in dem ich meine kindheit und jugend verbrachte, galt von staats wegen nur der als künstler, der von anderen künstlern in einen künstlerverband aufgenommen wurde, je nach gattung die sparte. Die partei wachte mit argusaugen darüber, dass keiner einfach sich hineinverirrte. Verwirrte, also solche, die aus eigener vorstellug künstler sein wollten, wurden draußen gehalten, denn sie hätten ja die reinheit der versammlung gestört. Ihnen wurden jedoch arbeitsplätze außerhalb der kunst zugewiesen, im bergbau oder in der stahlindustrie, und wenn sie diese verließen, in staatlichen verwahranstalten. Alle hatten in diesem land so ihr auskommen. Freiheit, nun ja, freiheit war etwas, das als überwunden galt (bürgerliche) beziehungsweise sich in unterwerfung realisiert. Einsicht in die notwendigkeit, nannte man das. Und die kunst hatte dieser einsicht zu dienen. Dieses land jedoch ist geschichte.</p>
<p><strong>Wir-sind-die-urheber</strong></p>
<p>Der text, um den es hier geht, nimmt stellung zu einer sache, die seit wochen die gemüter erhitzt. Die wellen schlagen hoch, weil die piratenpartei verkündete, dass urheberrecht abschaffen zu wollen. Jetzt fassen sich alle, die sich für urheber halten zwischen die schenkel, wie weiland die männer angesichts der aufkommenden frauenbewegung. Denn die männer bekamen angst, sie würden kastriert, weil frauen rechte einforderten, die sie  lange schon hatten.</p>
<p>Teilen heißt verlust. Daran musste ich denken, als jüngst <a href="http://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/zuendfunk/regener_interview100.html" target="_blank">Sven Regener ausfällig wurde</a>, und sich von straßenmusikern distanzierte, die offensichtlich nicht durchs urheberrecht geschützt sind, das ihm zu bescheidenem wohlstand verhilft. Wie auch? Sind die straßenmusiker ja keine urheber und haben auch sonst kaum rechte, weil sie sich der überlieferung bedienen. Ganz im gegensatz zu Regener, den man ja als erfinder des pop, seiner rhythmik und seiner harmonien bezeichnen muss und als erfinder der melancholie.<span id="more-6382"></span></p>
<p>Als solcher geht er mit einer großen schallplattenfirma, die letztlich nur das ziel verfolgt, dass sich niemand ungefragt an Regeners Erfindungen vergreift, einen vertrag ein. Die jugendlichen, die ja dafür bekannt sind, sich zugang zu aktueller musik zu verschaffen, ohne dafür zu bezahlen, sollen schon gar nichts einfach so können.</p>
<p>Einige dieser jugendlichen spielen sogar gitarre.</p>
<p>Der text, um den es hier geht, beginnt zunächst mit einer anmaßung:</p>
<blockquote><p><a href="http://www.wir-sind-die-urheber.de/" target="_blank">Wir sind die Urheber!</a></p></blockquote>
<p>Ausfrufungszeichen. Auch die Internetpräsenz lautet so: www.wir-sind-die-urheber.de. Man behauptet nicht, urheber dieses auf dieser seite veröffentlichten textes zu sein, sondern man nimmt gewissermaßen die urheberschaft schlechthin für sich in anspruch, man behauptet in etwa, der erste beweger zu sein, und leitet daraus das recht ab, sich jede weitere bewegung, auch die der anderen, bezahlen zu lassen. Und weil man die bewegungen selbst nicht kontrollieren kann, übergibt man dieses recht wiederum einer industrie, die das urgehobene scheinbar sicher ummantelt und auf den markt bringt.</p>
<p>Wer anderes denkt als die selbsternannten urheber, wäre nach ihrer logik gar keiner, sein werk ist kein werk und sein gedanke verlässt jeden schutzraum. <strong>Gut, es gibt gesetze, und in denen ist festgeschrieben, wer als urheber gilt und wer nicht. Aber diese gesetze entstammen einer zeit, in der an das internet noch gar nicht zu denken war, und auch die verfielfältigung erfolgte noch analog zumeist. Und sie entstammen einer sehr romantischen vorstellung des einsamen urhebenden genies, das alles aus sich selbst heraus schöpft. </strong>Worte wie gesellschaftlichkeit und diskurs sind ihm unbekannt. Allerdings bemerkte schon Novalis, dass alle kunst übersetzung sei, und dahinter wollte zumindest ich nicht zurück gehen.</p>
<p>Dass es hier nicht um das moralisches recht geht, sich urheber zu nennen, wird jedem klar sein. <strong>Urheber ist kein geschützter begriff. Es geht viel mehr um einen juridischen prozess der aneignung. </strong>Aus dem urheberrecht erwächst die verfügungsgewalt über ein werk, das wie auch immer früchte tragt. Doch hier liegt der hase im pfeffer. Denn veräußerbar ist einzig die hülle, der dieses werk aufgrdruckt einverleibt oder wie auch immer verbunden wurde. Also schon der Gedanke an das, was urheberschaft sei, drängt sich selbst in den hintergrund.</p>
<blockquote><p>Gegen den Diebstahl geistigen Eigentums</p></blockquote>
<p>Gegen diebstahl! oho! Da sind wir doch alle gegen, oder? Wir wollen nicht, dass der alten frau an der ecke ihre handtasche entrissen wird, selbst wenn ein manuskript drin steckt oder ein ölgemälde. Ok. Eigentum ist uns heilig, aber was ist geistiges eigentum? Gedanken? Worte? Wortgruppen?</p>
<blockquote><p>Mit Sorge und Unverständnis verfolgen wir als Autoren und Künstler die öffentlichen Angriffe gegen das Urheberrecht. Das Urheberrecht ist eine historische Errungenschaft bürgerlicher Freiheit gegen feudale Abhängigkeit, und es garantiert die materielle Basis für individuelles geistiges Schaffen.</p></blockquote>
<p>Und hier wird es ganz krud. Das urheberrecht regelt bislang die übergabe einer bürgerlichen freiheit gegen entgelt. Es garantiert zunächst ersteinmal gar nix. Zumal das hervorbringen eines werkes noch nix über dessen verkaufbarkeit aussagt. Van Gogh hat zu lebzeiten kein einziges bild verkauft. Gerhard Richter bezeichnet die preise, die seine bilder erzielen als widersinnig. Es gibt autoren, die romane nur aus der überlieferung samplen und damit millionen verdienen. Es gibt autoren, die spracharbeit leisten, dass diese überlieferung nicht versiegt, und diese autoren verdienen nix, weil ihre arbeit nicht in dem maße auf ein aufgeschlossenes publikum stößt. Diese experimentatoren auf eine ungewisse zukunft zu vertrösten, halte ich für zynisch. Auch sie wollen jetzt leben, auch sie haben bedürfnisse.</p>
<blockquote><p>Der in diesem Zusammenhang behauptete Interessengegensatz zwischen Urhebern und &#8220;Verwertern&#8221; entwirft ein abwegiges Bild unserer Arbeitsrealität. In einer arbeitsteiligen Gesellschaft geben Künstler die Vermarktung ihrer Werke in die Hände von Verlagen, Galerien, Produzenten oder Verwertungsgesellschaften, wenn diese ihre Interessen bestmöglich vertreten und verteidigen.</p></blockquote>
<p>Wenn diese ihre interessen vertreten. Verlage sind nicht die interessensvertreter der autoren, sie nehmen autoreninteressen nur dann war, wenn sie dem verlagsinteresse korrespondieren. Im normvertrag steht, dass die einkünfte an zweitverwertung (filmrechte etc.) zu gleichen teilen zwischen urheber und verlag aufgeteilt werden. Warum? Was hat ein verlag geleistet, um daran beteiligt werden zu müssen, und warum genau zur hälfte. Der normvertrag in deutschland entspringt einer auseinandersetzung zwischen urhebern und verwertern und nicht der bürgerlichen freiheit, die zugestandenermaßen eine basis dafür ist, diese auseinandersetzung zu führen. Das urheberrecht ist also ausdruck eines interessensausgleich, und der normvertrag eine gewerkschaftliche errungenschaft.</p>
<blockquote><p>Die neuen Realitäten der Digitalisierung und des Internets sind kein Grund, den profanen Diebstahl geistigen Eigentums zu rechtfertigen oder gar seine Legalisierung zu fordern. Im Gegenteil: Es gilt, den Schutz des Urheberrechts zu stärken und den heutigen Bedingungen des schnellen und massenhaften Zugangs zu den Produkten geistiger Arbeit anzupassen.</p></blockquote>
<p><strong>Es geht vielmehr darum, das recht, den neuen bedingungen anzupassen, und nicht darum, die menschen, zumeist jugendliche, die sich der neuen technik bedienen, zu kriminalisieren,</strong> zumal sie zum glück immer wege finden werden, gesetze und kopierschutz zu umgehen.</p>
<blockquote><p>Das Urheberrecht ermöglicht, dass wir Künstler und Autoren von unserer Arbeit leben können und schützt uns alle, auch vor global agierenden Internetkonzernen, deren Geschäftsmodell die Entrechtung von Künstlern und Autoren in Kauf nimmt. Die alltägliche Präsenz und der Nutzen des Internets in unserem Leben kann keinen Diebstahl rechtfertigen und ist keine Entschuldigung für Gier oder Geiz.</p></blockquote>
<p>Gier und geiz streich ich mal lieber, weil sie mir nicht als praktikable begriffe in dieser auseinandersetzung erscheinen. Es gibt in meinem bekanntenkreis sehr viele künstler, die nicht von ihrer arbeit leben können. Diesen misslichen umstand teilen sie mit friseurinnen und andren prekär beschäftigten. Einen ausweg daraus könnte ein existenzsicherndes grundeinkömmen* sein. Das würde den bastlern und tüftlern ein leben ermöglichen und vor diesem hintergrund könnte man dann auch das urheberrecht erneut diskutieren.</p>
<p>*Marx&#8217; Thesen über Feuerbach: &#8220;11. Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kömmt aber darauf an, sie zu verändern.&#8221; Der spruch hing im osten in jedem 2. schulhaus direkt neben lenins: lernen, lernen und nochmals lernen!</p>
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		<title>Voyeuristen in Hausschuhen</title>
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		<pubDate>Mon, 02 Apr 2012 18:16:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Rery Maldonado</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
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		<description><![CDATA[Hallo zusammen. Wir schreiben den 2. April, das Jahr 2012 schreitet voran, ab heute beginnen wir wieder damit, vom Cronotopo cero, der Raumzeit Null, aus zu senden, an all diejenigen, die uns weiterhin in der ganzen Welt lesen können. Viele Dinge werden über dieses Jahr, 2012, gesagt. Alle Indikatoren deuten auf ein schwieriges Jahr hin, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_6331" class="wp-caption aligncenter" style="width: 525px"><a rel="attachment wp-att-6331" href="http://superdemokraticos.com/voyeuristen-in-hausschuhen/need5/"><img class="size-large wp-image-6331" title="NEED5" src="http://superdemokraticos.com/wp-content/uploads/2012/03/NEED5-525x427.jpg" alt="" width="525" height="427" /></a><p class="wp-caption-text">Bild: www.oscarseco.com</p></div>
<p>Hallo zusammen. Wir schreiben den 2. April, das Jahr 2012 schreitet voran, ab heute beginnen wir wieder damit, vom Cronotopo cero, der Raumzeit Null, aus zu senden, an all diejenigen, die uns weiterhin in der ganzen Welt lesen können. <strong>Viele Dinge werden über dieses Jahr, 2012, gesagt. Alle Indikatoren deuten auf ein schwieriges Jahr hin, voller gravierender Veränderungen. Niemand weiß wirklich, was geschehen wird und was genau für diese Zukunft verantwortlich ist.</strong></p>
<p>Heute wissen wir, dass seit den 80er Jahren und mit dem sich nähernden Jahrtausendwechsel sogenannte Feuerregen mit zunehmender Häufigkeit aufgetreten sind. Seit 2007 begannen die Tageszeitungen, darüber zu berichten, als eine Art unterhaltende Nachricht auf der letzten Seite. Das Einzige, das wir wirklich wissen, ist, dass mit dem Beginn der neuen Ära die Wucht der Stürme auf dem königlichen Himmelskörper die Nächte an einigen Orten der Erde zu wahren, unerklärlichen  Naturereignissen gemacht haben. Der Himmel steht in Flammen, der Sonnenuntergang brennt förmlich und darauf folgt eine orangefarbene Rauchwolke, die ganze Städte oder weitläufige Landstriche in der Wüste oder im Dschungel in ein leuchtendes  Dämmerlicht einhüllt. Nach diesen Spektakeln verändern sich auch die elektromagnetischen Wellen der Erde und bilden unter der Erdoberfläche Knoten. Bündel, die mit der Zeit wachsen und sich aus dem Elektro-Smog und den Wellen in der Luft, den Mikrowellen, speisen. Diese Flecken breiten sich langsam aus. Einige Wissenschaftler sprechen bereits von einer sich verschlimmernden Geopathie aufgrund der gesundheitsschädlichen Belastung der Mikrowellen, aber der Öffentlichkeit sind diese Studien kaum bekannt. Bislang wir die Existenz dieser gigantischen <a title="hartman" href="http://www.erdstrahlen-info.de/hartmanngitter.html" target="_blank"> Hartmann-Gitter</a> nicht offiziell bestätigt, lediglich im Internet kann man Dokumente, die davon sprechen, finden. Offizell schreibt die Volksgesundheit den Krebs und die Zunahme der psychischen Krankheiten der Isolation und dem Bewegungsmangel der Menschen des aktuellen Produktionssystems zu, sowie der schlechten Ernährung und der modernen Gesellschaft. Niemand bestätigt einen Zusammenhang zwischen jenen Störungen und der Umweltverschmutzung, einer Verschmutzung, die sowohl die Erde als auch die Luft betrifft und durch jene Mikrowellen verursacht wird, welche die riesigen, in den Städten erbauten Antennen ausstrahlen.</p>
<p>Die neuen Technologien beeinflussen die Umwelt, einige Arten sterben in kürzester Zeit aus, andere mutieren und das Internet, aus dem wir senden, ist der einzige Ort, an dem die Verschwörungs-Paranoiker unterwegs sind, um ihre Informationen austauschen zu können. Einige Regierungen stufen diese Menschen als ausgesprochen gefährlich ein, da dank ihnen und ihrer intellektuellen Beiträge im Netz die Menschen einen Zugang zu diesen Informationen haben und damit hinter die Kulissen blicken können. Deshalb glauben die Experten nun, dass die Menschen für die Öffnung der fünften Dimension durch die technische Revolution gegen Ende des 20. Jahrhunderts emotional noch nicht bereit waren. <strong>Jetzt wird damit begonnen, Gesetze einzuführen, welche die virtuelle Realität einschränken sollen. Gesetze, die jedes Mal härter werden, um die „Fiktion“ im Leben des Durchschnitts-Bürger drastischer zu kontrollieren.</strong></p>
<p>Das Establishment reagiert mit Panik auf die Vorstellung, dass die wahren Gründe der Epidemien und ihr direkter Bezug zu den neuen Technologien aufgedeckt werden würde. Das würde unsere gesamte Wirtschaftsordnung in Frage stellen. Es wird befürchtet, dass die öffentliche Meinung ihr Interesse an dem Gegenstand verliert und sich auf die Konsequenzen konzentriert, auf den Gewinn und Verlust, den der Erwerb dieser Geräte mit sich bringt. Viel schlimmer ist jedoch die Befürchtung, dass jene Wahrheit, die von den Massenmedien durch diese Geräte verbreitet wird, in Frage gestellt werden würde.</p>
<p>Auch wenn niemand den Ausdruck Information benutzt, dreht sich der offizielle Diskurs doch um den Begriff „Fiktion”. Die Verschwörungs-Paranoiker denken, dass die Wahrheit hinter den Urheberrechten und dem Verbraucherschutz versteckt wird, damit der Zugang zu Informationen für die Mehrheit der User und Menschen kontrolliert werden kann. Gerade beenden wir den „schwarzen März“, den stillen Protest, einen Monat, keine Kulturgüter zu konsumieren, zu dem die Aktivistengruppe Anonymous aufgerufen hatte, im Westen stehen die Angriffe der Internet-Aktivisten auf der Tagesordnung und die Reihen der Verschwörungs-Paranoiker wachsen deutlich an. Das ist die natürliche Reaktion auf den <a title="shock" href="http://www.youtube.com/watch?v=qO_rPOKECfs&amp;feature=related" target="_blank">Schockzustand</a>, in den die sozialen, moralischen und umweltlichen  Veränderungen uns versetzt haben, Veränderungen, die die neue Ära mit sich brachte.</p>
<p><strong>Währenddessen werden nun wir, Voyeuristen in Hausschuhen, weiter senden, high und dubitativ, aus unserem Maschinenraum in der Raumzeit Null. Diesmal ohne einen C</strong>ent, aber mit der gleichen Idee dahinter. Wir wollen einen bipolaren, nachhaltigen Katalog von auf dem Planeten Erde strategisch verteilten Neugierigen.</p>
<p><strong>Wir suchen nach literarischen Chroniken der Ereignisse. </strong>Subjektiven Erzählungen der Zeugen, die es uns erlauben, zur Hardware dieser immensen Matrix durchzudringen, solange es SOPA, ACTA, SINDE, PIPA usw. und so fort, noch erlauben und solange uns noch die Zeit bleibt – bis sich die Maya-Prophezeiungen erfüllen. Herzlich Willkommen &#8230;</p>
<p><em>Übersetzung: Barbara Buxbaum</em></p>
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		<title>Spanisch verstehen</title>
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		<pubDate>Wed, 21 Mar 2012 10:57:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>in-kult</dc:creator>
				<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Globalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Leben Miteinander]]></category>
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		<category><![CDATA[Los Superdemokraticos]]></category>
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		<category><![CDATA[Übersetzung]]></category>

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		<description><![CDATA[Unsere Übersetzerinnen der Agentur In-Kult ziehen ein Fazit: Übersetzungsschwierigkeiten, Herausforderungen, Ansprüche und Fehlerteufel beim Hin und Her zwischen den Sprachen Spanisch und Deutsch.
In einem fremden Land lernt man mit vielerlei Dingen zurechtzukommen, ohne sie nachvollziehen zu können. Man weiß wie das System funktioniert, oder wie es gerne funktionieren würde. Man lernt nette Gesten und nicht [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Unsere Übersetzerinnen der Agentur In-Kult ziehen ein Fazit: Übersetzungsschwierigkeiten, Herausforderungen, Ansprüche und Fehlerteufel beim Hin und Her zwischen den Sprachen Spanisch und Deutsch.</em></p>
<p>In einem fremden Land lernt man mit vielerlei Dingen zurechtzukommen, ohne sie nachvollziehen zu können. Man weiß wie das System funktioniert, oder wie es gerne funktionieren würde. Man lernt nette Gesten und nicht ganz so nette Gesten voneinander zu unterscheiden. Man lernt Ironie zu verstehen und  Witze zu kapieren. Aber es werden immer genug Dinge übrigbleiben, die einfach komplett unbegreifbar sind. Wenn man als Übersetzerin arbeitet, setzt man sich damit auseinander, mit den verschiedensten Ausdrücken, Sätzen oder Wortspielen, die ungefähr zwei Seiten Erläuterung benötigen würden, um sie in all ihren Bedeutungen übersetzen zu können.</p>
<p>Natürlich, das ist die Essenz einer Sprache, und genau darum geht es: zu übersetzen, aber es gibt immer wieder Sätze, die wesentlich weiter vom Original entfernt sind als andere. Hier sind ein paar Beispiele, die wir bei der Übersetzung der LSD-Texte durchlebt haben:</p>
<p>„La felicidad“, man hört es in fast jedem spanischen Lied. Bekannt, aber unübersetzbar bleibt dieses Wort für uns, weil wir uns jedes Mal für ein Teil seiner Bedeutung entscheiden müssen. Glück, Glücksgefühl, Glücklich-Sein, aber als eigenständiges Substantiv. „La felicidad“ ist ein Lebenseinstellung, ein Lebensziel&#8230; das oberste Ziel des Lebens sogar, und Glück scheint im Deutschen eher zufällig und vorübergehend.</p>
<p>So wie wir es in Deutschland ganz oft vermeiden müssen, einige hier rassistisch konnotierte Ausdrücke zu benutzen, wegen der Vergangenheit, der Geschichte, werden in einigen Länder in Lateinamerika solche Wörter so leichtfertig benutzt, dass man Bauchschmerzen kriegt, und das ebenfalls wegen der jeweiligen Geschichte. Nach der Kolonialisierung und allen Unabhängigkeitskriegen werden einige Wörter wie „Schwarz“ oder „Rasse“ sogar in einem positiven Sinn benutzt. „Negrito“, „Schwärzchen“, kann ein liebevoller Kosename sein und ein „escritor de raza“ ist weniger „Rassen-Schriftsteller“ als ein <a href="http://superdemokraticos.com/espanol-sobrescribir/" target="_blank">Schriftsteller aus Berufung</a>.</p>
<p>Soziale Zusammenhänge, die einige Witze, Ironie oder einfache Beschreibungen ausmachen, müssen für den Leser bekannt sein, um alles verstehen zu können. Die Frage, die sich uns immer stellte, war: Inwieweit kann man einen interessierten, gebildeten Leser voraussetzen, ohne einen zu elitären Anspruch an die Leserschaft zu haben? <span id="more-6316"></span>Vielleicht kennen die meiste deutsche Leser des Blogs Borges, aber kennen sie auch Cortázar oder <a href="http://superdemokraticos.com/anti-gebrauchsanleitung-fur-drugstars/" target="_blank">Facundo Cabral</a>? Wissen sie von der Herkunft <a href="http://superdemokraticos.com/derselbe-cholo-in-einem-neuen-poncho/" target="_blank">Evo Morales&#8217;</a> oder warum er immer diese Ponchos trägt?  Wie weit müssen wir ausholen, um einen Piropo verständlich zu machen? Haben die argentinischen Leser von dem Guttenberg-Skandal gehört? Oder die kolumbianischen Leser schon etwas über Hartz VI gelesen? In einem Blog ist es ja möglich immer ein Link zu setzen, aber müssen wir dann die Leser so behandeln, als ob sie nicht selber recherchieren können?</p>
<p>Es ist immer schwierig, zwei Welten zusammenzubringen, zwei Sprachen, mit all ihren Dialekten, Soziolekten und Feinheiten, aber dass ist die Aufgabe, der wir uns als Übersetzerinnen gestellt haben. Die Dynamik eines Blogs, technische Schwierigkeiten, internetfreie Zone, der Zeitdruck einer Live-Berichterstattung wie von den beiden Buchmessen – Frankfurt und Guadalajara – und der Stil einiger Autoren waren die besten Freunde der niedlichen, kleinen Fehlerteufel. Dennoch haben wir uns über Ozeane hinweggesetzt, Diskurse über-setzt und mit „Los Superdemokraticos“ und dank dem Internet zeitgenössische Autoren aus Lateinamerika und Deutschland so zeitnah und interaktiv zusammengebracht, wie es vorher noch nie der Fall war.</p>
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		<title>Jahresende, Explosionen</title>
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		<pubDate>Sat, 31 Dec 2011 09:52:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nikola Richter</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Zeit zwischen den Jahren, wie man auf Deutsch sagt, also die Tage zwischen Weihnachten und Neujahr, sind ruhige Tage. Die Hauptstadt ist leer. Einzig Touristengruppen auf der Friedrichstraße am Checkpoint Charlie trauen sich in das nass-kalte Wetter. Die meisten Menschen ruhen sich  vom Festessen und Endjahresstress aus, schauen ein paar Blockbuster im TV, ordnen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><img class="alignleft size-full wp-image-6306" title="feuerwerk im einkaufswagen" src="http://superdemokraticos.com/wp-content/uploads/2011/12/feuerwerk-im-einkaufswagen.jpg" alt="" width="280" height="373" />Die Zeit zwischen den Jahren, wie man auf Deutsch sagt, also die Tage zwischen Weihnachten und Neujahr, sind ruhige Tage.</strong> Die Hauptstadt ist leer. Einzig Touristengruppen auf der Friedrichstraße am Checkpoint Charlie trauen sich in das nass-kalte Wetter. Die meisten Menschen ruhen sich  vom Festessen und Endjahresstress aus, schauen ein paar Blockbuster im TV, ordnen Geschenke in die Regale, telefonieren, schweigen, schlafen. Bis dann am letzten Tag des Jahres die Böller kommen. Sie kommen von vorne, von hinten, von oben, am 31. Dezember, wenn es dunkel wird, ist es schwierig, ihnen auszuweichen. Einmal habe ich ein paar Jungs, die gerade dabei waren, etwas zu zünden, zugerufen: &#8220;Hey, Jungs, ich hab einen Tinnitus, bitte wartet kurz mit eurem Knaller, bis ich vorbei bin.&#8221; Und sie: &#8220;Klar, kein Problem, liebe Dame.&#8221;</p>
<p>Diese durch Explosionen immer wieder aufgeweckte Besinnlichkeit könnte ein Bild für den Literarischen Aktivismus sein, ein Verhalten, das wir uns von Superdemokraticos immer wieder auf unsere Fahnen geschrieben haben, dem wir das <a href="http://superdemokraticos.com/category/themen/literarischer-aktivismus/" target="_blank">Monatsthema Dezember</a>, aber auch eine Anthologie gewidmet haben, die für fünf Euro beim Verlag <a href="http://milenaberlin.blogspot.com/" target="_blank">Milena Berlín </a>zu kaufen ist, der sich gründete, nachdem die Verleger 2010 bei der Frankfurter Buchmesse einen Stand besetzten. <strong>Literarisch aktiv sein heißt nämlich, sich für die Literatur auch körperlich einzusetzen</strong>, nicht nur monetär. Für Autorinnen und Autoren, für Orte, an denen Literatur stattfindet. <strong>Heißt, Freiräume aufzusprengen, Aufmerksamkeit zu gewinnen, heißt, sich für etwas, jemanden zu entscheiden, heißt, eine Meinung zu haben, sich nach vorne zu stellen, mit Gesicht, mit Stimme, mit Mikro. </strong>Heißt, das Publikum zu schätzen, das mit den Füßen abstimmt. Mal sehen, wer heute kommt, ob jemand kommt&#8230;</p>
<p>Als ich 1999 nach Berlin umzog, mit Gedichten in meiner Tasche, lief ich von Lesung zu Lesung, um die anderen Dichter kennenzulernen. Die sollte es doch hier geben. Wo waren sie denn? Zunächst fand ich Veranstaltungsankündigungen in Zeitungen, dann fand ich Bekannte, Komplizen, Vertraute, Verrückte, war Mitglied verschiedener privater Lyrikkreise, die alle gemeinsam hatten, dass der Rotwein floss und die Luft aus Qualm waberte, dass die Egos aneinanderprallten, dass aber auch gemeinsame Publikationen erschienen. Ich organisierte mit anderen eine Lesebühne (visch&amp;ferse), die sich jährlich auflöste und wieder neugründete, und einen mehrsprachigen Salon, den <a href="http://hinterzimmer-salon.blogspot.com/" target="_blank">Hinterzimmer-Salon</a>. Mal wurde ich eingeladen, mal lud ich ein. Mal stritt man sich, mal versöhnte man sich, manchmal las man sich nur noch auf Facebook. Da war etwas kaputt gegangen. Explosionen können gefährlich sein.</p>
<p>Aber zum Glück ist das Vertreten von Texten, die Text-PR, so emotional, so im- und explosiv. Neues entsteht, wenn Altes vergeht. In der aktuellen Ausgabe der Literaturzeitschrift <a href="http://www.am-erker.de/nr62_2011.php" target="_blank">Am Erker </a>wurden gerade 13 Autorinnen und Autoren gefragt, ob zwischen Schriftstellern Freundschaft möglich sei. Allein diese Frage zeigt schon, wie vermint der Boden ist, auf dem sich Schreibende bewegen. Das Jahr ist zu Ende. Wir machen weiter. Weil wir daran glauben, dass nach dem Knall ein Nachhall bleibt. Wenn man zusammen an etwas glaubt und arbeitet.</p>
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		<title>schluss mit dem wackelkontakt</title>
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		<pubDate>Wed, 28 Dec 2011 10:28:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Catherine Hales</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>in einer stadt mit einer dichten dichte an dichterInnen dichten heisst dichten sprich schreiben sprich literatur(be)treiben aktiv sein schlechthin und das in einer stadt mit zweihundert nationalitäten davon hundertdreiundsechzig allein in meinem neukölln heisst <strong>ein zwischenspiel der vielen sprachen begegnen lesen übersetzen lesen und dann natürlich bierchen trinken das gehört dazu so könnte ichs mir vorstellen aber</strong></p>
<p><strong>leider bleiben die verschiedenen gruppierungen meist unter sich in dieser stadt obwohl man hats versucht </strong>ich denke an rage into the night im <a href="http://www.gaudycafe.com/" target="_blank">st. gaudy café</a> oder ähnliche mehrsprachige lesungen im <a href="http://altesfinanzamt.blogspot.com/" target="_blank">alten finanzamt</a> oder eben auch der schöne samstagnachmittagliche <a href="http://hinterzimmer-salon.blogspot.com" target="_blank">hinterzimmersalon</a> von einst oder eine schöne von <a href="http://www.lauter-niemand.de/" target="_blank">lauter niemand</a> bzw. <a href="http://www.no-mans-land.org/" target="_blank">no mans land</a> veranstaltete <a href="http://www.litaffin.de/veranstaltungen/48-stunden-neukolln-der-luxuslyrikdampfer/" target="_blank">schifffahrt</a> an einem verregneten samstag im vergangenen sommer wo neben deutsch auch englisch und spanisch zu hören waren zumindest solange der wackelkontakt im mikrofon es zugelassen hat ja</p>
<p>das ist es vielleicht</p>
<p>den wackelkontakt aufzuheben der das gemeinsame literaturmachen stört sogar verhindert i have a dream</p>
<p>worin besteht denn meine ganz persönliche beteiligung in der literaturszene in dieser stadt? bekanntschaften und freundschaften unter schreibenden die lyrik und prosa schreiben       sowohl englisch als auch deutsch       ich gehe zu deren lesungen und treffe sie gelegentlich auch privat das könnte man nennen: passiver literaturaktivismus       ich schreibe selbst lyrik auf englisch und übersetze deutsche lyrik vorwiegend von meinen freundInnen und bekannten ins englische übersetzungen die dann in zeitschriften erscheinen zum beispiel bei no mans land oder <a href="http://www.shearsman.com/pages/magazine/home.html" target="_blank">shearsman</a> oder <a href="http://www.greatworks.org.uk/" target="_blank">great works</a> oder <a href="http://www.saltpublishing.com/horizon/" target="_blank">horizon review</a> oder <a href="http://www.leafepress.com/litter/archive01.html" target="_blank">litter</a> aber auch in einigen german poetry special features die in den usa erschienen sind – in der <a href="http://humanities.uchicago.edu/orgs/review/" target="_blank">chicago review</a> in der <a href="http://www.atlantareview.com/" target="_blank">atlanta review</a> in LITmag in <a href="http://www.shampoopoetry.com/" target="_blank">shampoo</a> und 2010 erschienen bei shearsman books auch meine übersetzungen von norbert hummelt im band <a href="http://www.shearsman.com/pages/books/newpubl/2010b.html" target="_blank">berlin fresco</a> dann noch zweisprachige lesungen unter anderem auch im poets corner im poesiefestival berlin oder in der lettretage gemeinsam mit andré jahn der meine gedichte ins deutsche übertragen hat aber auch auf besagtem boot an besagtem verregneten samstagnachmittag im sommer was man aktiver literaturaktivismus nennen könnte       so habe ich sozusagen ein fuß in beiden lagern</p>
<p>im anglophonen lager ist mal mehr mal weniger los mit lesungen und regelmäßigen austausch mit anglophonen communities in prag paris amsterdam       und mit kontakten auch zur insel denn jedes jahr im november gelingt es lyriker und lyrikerinnen aus großbritannien und anderen europäischen städten nach berlin zu locken um bei <a href="http://www.poetryinternational.org/piw_cms/cms/cms_module/index.php?obj_id=15625" target="_blank">poetry hearings</a> teilzunehmen unserem festival von anglophoner poesie in berlin habe ich prag erwähnt</p>
<p>denn</p>
<p>dort habe ich etwas erlebt was als vorbild dienen könnte wie man und frau die voneinander abgegrenzten literaturaktivismen in berlin zusammenbringen könnte<strong> i have a dream</strong></p>
<p><strong>it goes something like this</strong></p>
<p><strong>es wird gemeinsam in verschiedenen sprachen auf einer bühne gelesen – deutsch englisch spanisch französisch russisch und jede andere sprache in der in berlin geschrieben wird </strong>– und alle vorgetragenen texte werden vorher übersetzt in die jeweiligen anderen sprachen übersetzt und dann entweder mit vorgetragen oder projiziert</p>
<p>aber so was kann nur dann funktionieren wenn finanzierung gefunden wird um die übersetzungen zu bezahlen oder wenn engagierte menschen die übersetzungen unentgeltlich übernehmen wie ich so oft getan habe und soll das ganze denn an dem schnöden geld scheitern aber das wäre realer literaturaktivismus literarische integration</p>
<p>i have a dream</p>
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		<title>Verkaufen lernen</title>
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		<pubDate>Sun, 25 Dec 2011 07:32:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jörg Sundermeier</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wie alle Verlegerinnen und Verleger wollte ich zunächst dichtend zu Ruhm kommen. Auch in meiner Schublade verbirgt sich ein Roman. Umso größer war mein Schock, als ich erkennen musste, dass ich ein guter Verleger bin, doch kein guter Dichter.
Dabei war ich doch nur durch Zufall zum Verlegen gekommen, aus der Liebe zur Literatur heraus. Ursprünglich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wie alle Verlegerinnen und Verleger wollte ich zunächst dichtend zu Ruhm kommen. Auch in meiner Schublade verbirgt sich ein Roman. Umso größer war mein Schock, als ich erkennen musste, dass ich ein guter Verleger bin, doch kein guter Dichter.</p>
<p>Dabei war ich doch nur durch Zufall zum Verlegen gekommen, aus der Liebe zur Literatur heraus. Ursprünglich wollten Werner Labisch, mit dem ich dann den <a href="http://www.verbrecherei.de/" target="_blank">Verbrecher Verlag</a> gründete, und ich lediglich Manuskripte von einigen Autorinnen und Autoren bekommen, kopieren und in unsere Privatbibliothek einfügen. Es waren Manuskripte, von denen wir dank diverser Quellen wussten, dass sie in absehbarer Zeit nicht verlegt werden würden. <strong>Es war reine Fanhaltung, die uns zu Verlegern werden ließ – denn irgendwie kamen wir nicht mehr raus aus dieser Nummer.</strong></p>
<p>Mit der Fanhaltung gingen wir auch ans Werk, als wir unsere Verlagsarbeit professioneller gestalten wollten. Wir setzten uns gegen gut gemeinte Ratschläge zur Wehr. Ein Buch gefiel uns nicht – wir druckten es nicht, auch nicht, wenn es sich sicher hätte gut verkaufen lassen. Man müsse Kompromisse machen, sich dem Literaturbetrieb andienen – nein, nicht mit uns. Das Ergebnis dieser Haltung spüre ich noch heute, immer dann, wenn ich Rechnungen bezahlen muss.</p>
<p>Der Verbrecher Verlag, den ich seit einem Jahr allein besitze, hat sich mit dieser Haltung einen gewissen Ruf erarbeitet. Und auf die allermeisten der inzwischen weit über hundert Titel, die in diesem Verlag erschienen sind, bin ich auch sehr stolz. Dennoch waren die Verkäufe zumeist nicht gut. Keine Autorin und keiner unsere Autoren kann allein davon leben, dass die Bücher bei uns erscheinen, auch die zugehörigen Lesungen ändern daran nichts.</p>
<p>Es musste also etwas umgestellt werden in unserem Verlag. Die Haltung musste korrigiert werden, wenn ich nicht wollte, dass der ganze Laden untergeht. Zunächst einmal galt es zu begreifen, was ein Verlag tut. <strong>Ein Verlag, so wurde mir bald klar, ist ein Formumwandler. Er verwandelt Literatur, also Kunstwerke, in Ware. Handelsware. Der Verlag macht einen Text handelbar.</strong> Wir sind, auch im Internetzeitalter, noch immer weit davon entfernt, dass Autorinnen und Autoren ihre Bücher selbst in eine solche Warenform überführen und zugleich davon leben können. Zumindest ist das in den westlichen Staaten so. Und es liegt nicht zuletzt am Kapitalismus.<span id="more-6256"></span></p>
<p>Aber auch noch an etwas Zweitem liegt es: ein zu verkaufender Text braucht eine Aura, die erst verleiht ihm den nötigen Fetischcharakter, um als Ware funktionieren zu können. Diese Aura herzustellen ist Teil der Verlagsarbeit. Ich bestreite nicht, dass Schreibende diese Arbeit nicht auch selbst erledigen können, doch es gilt als anrüchig, wenn Schreibende ihre Werke selbst anpreisen. Ein Verlag aber kann, nein, muss dies tun. Er muss die Ware verkaufen, muss Lärm machen, muss die Zeitungsredaktionen bestürmen, um Besprechungen zu bekommen, er muss ein Spektakel veranstalten. Das ist die Aufgabe eines Verlags im Kapitalismus, egal, ob der Verlag ein linker ist, ein unpolitischer, ein rechter. Egal, ob er Scheiße verkauft oder Gold.</p>
<p>Ich merkte, ich kann ganz gut verkaufen. Ich merkte, ich kann das weitaus besser als schreiben. Werner Labisch hingegen hat sich dafür entschieden, hauptberuflich Autor zu werden. Ich beneide ihn um seinen Job.</p>
<p>Wenn ich aber auch nicht so gut schreiben kann (natürlich denke ich, dass ich nicht allzu schlecht schreibe), so kann ich doch lesen. Und noch immer kann ich nicht verlegen, was vielleicht bestsellertauglich sein könnte, mir aber nicht gefällt. Doch ich kann mich anders für das einsetzen, was mir gefällt. Als Verleger, als Warenproduzent, als jemand, der das Spektakel um die Bücher mit inszeniert, als Teil des Literaturbetriebs.</p>
<p>Dabei habe ich eine Hoffnung. Ich hoffe, dass sich die Kunst, die ich in Ware verwandelt habe, in den Händen jener, die die Bücher im Laden, im Internet, mithilfe ihres E-Book-Readers oder sonst wo kaufen, die sie in Bibliotheken ausleihen oder geschenkt bekommen, wieder in Kunst verwandelt. Dass die Texte ihre Warenförmigkeit verlieren, das die, wie Brecht sie nannte, heilige Ware Buch dann, wenn jemand in ihr liest, wieder zum Medium von Kunst wird.</p>
<p>Wenn dies gelingen sollte (es gibt Anzeichen dafür), dann ist es möglich die gleichen Bücher, mit denen man früher versuchte, gegen die kapitalistische Warenwelt zu reüssieren (und bei diesem Versuch produzierte man ja letztendlich trotzdem Waren, der Kapitalismus schert sich einen Dreck darum, was du in deiner Nische denkst), nun sogar mehr Leuten zugänglich zu machen – und zugleich können die, die die Bücher schreiben besser davon leben. <strong>Mit den Wölfen heulen, gegen sie. So könnte es gehen. Daran arbeite ich gerade. Und ich kann nicht sagen, dass es keinen Spaß macht.</strong></p>
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		<title>Wozu ein Gedichteregen?</title>
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		<pubDate>Wed, 21 Dec 2011 10:46:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Julio Carrasco</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der „Gedichteregen“ (Originaltitel: Bombardements mit Gedichten) ist ein Projekt des chilenischen Kollektivs Casagrande, bei dem 100.000 Gedichte von 80 zeitgenössischen Autoren aus Helikoptern auf Städte abgeworfen werden, die in der Vergangenheit Bombardements erleiden mussten. Dieses Projekt wurde bisher schon in Santiago de Chile (Chile, 2001), Dubrovnik (Kroatien, 2002), Guernica (Baskenland, Spanien, 2004), Warschau (Polen, 2009) [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Der „Gedichteregen“ (Originaltitel: Bombardements mit Gedichten) ist ein Projekt des chilenischen Kollektivs Casagrande, bei dem 100.000 Gedichte von 80 zeitgenössischen Autoren aus Helikoptern auf Städte abgeworfen werden, die in der Vergangenheit Bombardements erleiden mussten. Dieses Projekt wurde bisher schon in Santiago de Chile (Chile, 2001), Dubrovnik (Kroatien, 2002), Guernica (Baskenland, Spanien, 2004), Warschau (Polen, 2009) und in Berlin (Deutschland, 2010) umgesetzt. 2012 folgt London.</p></blockquote>
<p>Beim Nachdenken über den Film „Let the right one in”, den ich gerade gesehen hatte, fiel mir der ehemalige nordkoreanische Staatschef  Kim Il Sung ein. Der Film hatte mich wegen seines mega-realistischen Fokus, den er auf das Genre Vampir-Film richtet, beeindruckt. Ich versetzte mich in die Rolle des Protagonisten, der ein Monster war, sympathisierte ich mit ihm und wünschte ihm, dass er die schrecklichsten Gräueltaten verüben möge. Es mag dumm klingen,  aber während ich nach Hause ging, dachte ich lange über die moralischen Entscheidungen nach, die ich während des Filmes getroffen hatte, aus Angst, dadurch negative Aspekte meines Selbst preisgegeben zu haben. Vor allem wenn man bedenkt, dass die Geschichte erfunden war,  meine Gefühle möglicherweise jedoch nicht. Ich kam zu  keinem endgültigen Ergebnis, es kann schon sein, dass ich ein schlechter Mensch bin, aber wenigstens habe ich nach all den Jahren endlich eine Erklärung für die Bilder gefunden, welche von den Nachrichtenagenturen aus Nordkorea über den Tod von Kim Il Sung gebracht wurden: Dort gab es <a href="http://www.youtube.com/watch?v=pSWN6Qj98Iw" target="_blank">schreiende, weinende Menschen, die mitten auf der Straße Zuckungen und Anfälle bekamen</a> oder ihre Köpfe gegen die Busfenster schlugen. <strong>Zu Beginn schienen mir alle verrückt zu sein, aber in Wahrheit (wie ich jetzt festgestellt habe), waren diese Menschen einfach nicht aus dem Kino herausgegangen. </strong> Ich dagegen konnte aufgrund der Freiheit, die ich besitze, die moralischen Kodexe, die mir ein guter Vampir-Film angeboten hatte, annehmen, aber sie auch wieder dort zurücklassen, und nach dem Verlassen des Kinosaals meine früheren Positionen wieder einnehmen. Diese Freiheit besitzen die Bewohner Nordkoreas nicht; sie leben innerhalb des Kinos.</p>
<p>Wie man weiß, sind die Filme, die die Regierungsparteien in Ländern ohne freie Wahlen zeigen, dazu bestimmt, um ihr Fortbestehen an der Macht zu rechtfertigen. <strong>Dank dessem wird die nationale Geschichte neu geschrieben, es entsteht ein Epos, der erzählt, wie die aktuelle Situation im Land entstanden ist, und es entstehen Riten zur Verehrung eines neuen Pantheons voller Helden-Darsteller jenes Epos. </strong> Als Resultat auf die Fiktion wird eine neue Realität geboren, die Menschen lernen, auf eine andere Art und Weise zu leben. Und wenn der „geliebte Führer“, das „verehrte Oberhaupt“ oder wie auch immer sich der verehrte Führer gerne nennen lassen will, stirbt, dann winden sie sich auf öffentlichen Straßen, als wären sie mit Chili vergiftet worden.<span id="more-6245"></span></p>
<p>Die Fiktion kann auf viele verschiedene Arten Realität schaffen. Verschieden Studien haben gezeigt, dass beispielsweise die schulische Leistung zu einem großen Teil von der Erwartungshaltung der Lehrer abhängt. Ein Lehrer, der der Meinung ist, sein Schüler würde keinen Fortschritte machen, ist in der Lage diesen davon zu überzeugen und ihn zu einem mittelmäßigen Erwachsenen zu machen und umgekehrt ist es genauso möglich. Zusammengefasst heißt das, dass die Fiktion des Lehrers zur Realität des Schülers wird, als ob das Verhalten des einen die vorgeschrieben Umlaufbahn, in der sich der andere  bewegt, definiert.</p>
<p>Es erübrigt sich darauf hinzuweisen, dass sowohl Automobile als auch Himmelskörper vorgeschrieben Umlaufbahnen haben. Alles, was existiert und real ist, und somit auch die Fiktion, die ja nichts weiter als ein Vortäuschung der Realität ist, folgt einem Kurs, der vorhersehbar ist,  also an eine bestimmte Logik gebunden. Und es ist auch gut, dass das alles so ist, denn das erlaubt beispielsweise die Existenz des Lebens, welches ebenfalls vorhersehbar ist; man weiß ganz genau wann der Regen kommt und wann es sonnige Tage geben wird.</p>
<p>Die erlebte Erfahrung der Menschen während eines Gedichtregens ist ähnlich fiktiv; sie sehen nicht einfach eine Menge Papier aus einem Helikopter fallen, sondern etwas viel Tiefgründigeres. Und tatsächlich interpretieren sie jedes Gedicht, das vom Himmel gefallen ist und das sie auffangen konnten, als eine direkte und personalisierte Botschaft. Sie glauben bereits  an die Botschaft, bevor sie diese erhalten haben.</p>
<p>Auf der anderen Seite beeinflussen die Gedichteregen durch die Anerkennung und die Legitimation des Schmerzes, den die Stadt erfahren hat, die Art und Weise in der  sich die Bewohner dieses Orts mit der Stadt und ihrer Vergangenheit auseinandersetzen.  So wie mein Kollege Cristóbal Bianchi ein paar Jahre, nachdem wir dort Gedichte abgeworfen hatten, wieder nach Guernica reiste und ein paar Jugendliche befragte, wie ihre Erinnerung an das Bombardement sei. Ihm wurde eine Gegenfrage gestellt: „Welches der beiden? Das von 1973 oder das von 2004?&#8221; In Guernica wird es niemals wieder ein Bombardement geben. Man kann sagen, dass die beiden Ereignisse, das eine als Trauma und das andere als Heilung, das eine als schreckliche und erfühlbare Realität und das andere als Simulation dieser Realität, aber als Fiktion im umgekehrten Sinn, dass diese zwei Ereignisse sind miteinander verbunden sind. Sie brauchen einander wie die beiden Pole eines Magneten.</p>
<p><strong>Wir erschaffen, genau wie die Regierung in Nordkorea, eine Fiktion, wir erschaffen die Illusion, dass die Poesie, die vom Himmel herunter an einen Ort kommt, der mit Schmerzen verbunden ist, von absolut komplexem symbolischem Wert ist, aber wie auch der Regisseur eines jeden guten Vampir-Films zwingen wir die Menschen nicht, diese Fiktion außerhalb des Kinos zu akzeptieren. </strong>Natürlich sollten sie sie akzeptieren, aber sie sollten sich deshalb nicht auf dem Boden wälzen.</p>
<p><em>Übersetzung:<br />
Barbara Buxbaum</em></p>
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		<title>Keine Zeit für Theorie</title>
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		<pubDate>Tue, 20 Dec 2011 08:02:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Chicks on Comics</dc:creator>
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(c) Clara Lagos
Aua!! Ich bin eine arbeitslose Frau aus der Mittelschicht ohne Zeit für Theorie.
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			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-large wp-image-6237" title="chicks17-clara lagos" src="http://superdemokraticos.com/wp-content/uploads/2011/12/chicks17-clara-lagos-525x412.jpg" alt="" width="525" height="412" /></p>
<p>(c) <a href="http://clarisimosdias.blogspot.com/" target="_blank">Clara Lagos</a></p>
<p>Aua!! Ich bin eine arbeitslose Frau aus der Mittelschicht ohne Zeit für Theorie.</p>
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		<title>Hinter der Mauer, hinter Gittern</title>
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		<pubDate>Sat, 17 Dec 2011 00:16:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Martin Jankowski</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Unsichtbares Theater]]></category>

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		<description><![CDATA[Vielleicht lag es an unserer Unzufriedenheit. Uns war immer klar, dass Literatur keine Angelegenheit aus Papier ist, sondern eine gesellschaftliche Kraft. Mitte der achtziger Jahre betraf unsere Unzufriedenheit die Realität des osteuropäischen Sozialismus, der uns vorschreiben wollte, welche politischen Wahrheiten in unseren Texten zu stehen hatten und welche nicht. So entstanden die Leipziger Mittwochstreffen, auf [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Vielleicht lag es an unserer Unzufriedenheit. Uns war immer klar, dass Literatur keine Angelegenheit aus Papier ist, sondern eine gesellschaftliche Kraft. <strong>Mitte der achtziger Jahre betraf unsere Unzufriedenheit die Realität des osteuropäischen Sozialismus, der uns vorschreiben wollte, welche politischen Wahrheiten in unseren Texten zu stehen hatten und welche nicht. </strong>So entstanden die Leipziger Mittwochstreffen, auf denen wir in privaten Räumen Texte diskutierten, deren Publikation staatlich verhindert oder verboten worden war. Projekte wie das <em>Unsichtbare Theater</em> (das verschwiegene Themen in den Alltag der Großstadt Leipzig brachte) entstanden, und als die Staatssicherheit uns irgendwann einmal festnahm, lasen wir (die Dichterin Jayne Ann Igel und ich) beim Warten aufs Verhör in den Polizeifluren Gedichte vor, bis man uns die Bücher wegnahm – und wir mit all den Gedichten weitermachten, die wir auswendig kannten… Nicht zufällig gehörten etliche Besucher solcher literarischen Aktionen auch zu den ersten Leipziger Demonstranten im revolutionären Herbst 1989.</p>
<p>Mitte der Neunziger ging es in Berlin weiter: Neue Wirklichkeiten schufen neue Allianzen. Aus den Salons und Performances im familieneigenen Restaurant <em>Walden</em> entstanden neue Netzwerke literarischer Aktivisten. <span id="more-6214"></span>2004 wurde die <em>Berliner Literarische Aktion</em> ein „eingetragener Verein“, was die Geldbeschaffung für Projekte zwar erleichterte, gleichzeitig aber viel Bürokratie (ohne Geld) bedeutet. Neben regelmäßigen Salons (unser <em>Literatursalon am Kollwitzplatz</em> ist ein Kontaktpunkt für Künstler aller couleur) sind diverse ungewöhnliche Projekte entstanden. Besondere Wirksamkeit entfaltet derzeit die <a href="http://www.berliner-literarische-aktion.de/projekte/hintergittern" target="_blank"> <em>Literatur hinter Gittern</em></a>, bei der wir mit international bekannten Autoren in Gefängnisse gehen, um Lesungen und Workshops mit Gefangenen zu realisieren. Anfangs gingen wir nur sporadisch in die großen Männerknäste Berlins, später auch in die legendäre U-Haftanstalt Moabit, oder in kleinere Frauengefängnisse und in die Jugendstrafanstalt, was zunächst auf große Widerstände stieß. Daraus erwuchs ein Programm, das wegen der Nachfrage inzwischen das ganze Jahr läuft. Mancher skeptische Gefängnisbeamte erkannte den Sinn des Projekts allmählich an und gesellt sich heute selbst gern dazu, wenn wir international erfolgreiche Autoren in Kontakt mit diesem besonderen Publikum bringen. Die Energien, die bei einer Literaturveranstaltung im Knast fließen, sind so ungewöhnlich, dass unter den internationalen Autoren das Interesse im Gefängnis zu lesen mittlerweile so groß ist, dass wir gar nicht alle „Bewerber“-Wünsche realisieren können. Natürlich gibt es im Knast nichts zu verdienen als den Respekt der Gefangenen − und der organisatorische Aufwand für solche Veranstaltungen ist im Vergleich zu „freien“ Lesungen bedeutend höher. Mittlerweile ist unser Modell jedoch auch in Großbritannien, Nordirland, Italien, Spanien, Griechenland und Zypern gefragt und ist Teil europäischer Langzeitprojekte zur Kultur in Gefängnissen.</p>
<p><strong>Bei all unseren Aktionen geht stets um eine direkte geistige Auseinandersetzung mit praktischen Folgen für alle Beteiligten: Dafür erfinden wir immer neue Formen. Literatur als Lebensmittel, als Triebmittel für die verflixte Kultur, in der wir leben…</strong> Es freute mich deshalb, als die chilenische Gruppe <em>Casagrande </em>aus Santiago mich neulich einlud, ein Geleitwort zum Buch über ihre Aktion <a href="http://www.youtube.com/watch?v=5BLsIme-AFY&amp;feature=related"><em>Bombardeo de Poemas Sobre Berlin</em></a> vom Sommer 2010 zu schreiben. Unter den 100.000 Gedichten junger deutscher und chilenischer Dichter, die aus einem Helikopter über Berlin Mitte abgeworfen wurden, war auch eines von Roberto Yañez (<a href="http://superdemokraticos.com/die-mauer-und-die-sprache/" target="_blank">hier</a> ein Text, den er für Superdemokraticos schrieb). Er ist der Enkel von Margot Honecker, jener berüchtigten ostdeutschen Ministerin, die uns damals in Leipzig das Leben so schwer machte. Dass Roberto heute als freier Dichter in Santiago lebt, ist ein großartiges Zwischenergebnis. Vielleicht liest er demnächst mal bei einer unserer Aktionen in Berlin?</p>
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